München – Paul Wanner (16) sah in Bochum von der Auswechselbank aus zu, als Youngster Kollege Gabriel Vidovic (18) seine erste Bundesliga-Torvorlage feierte: Vidovic wurde von Kingsley Coman (26) am rechten Flügel angespielt, drehte sich – umringt von vier Gegenspielern – um 180 Grad und steckte den Ball gefühlvoll auf Serge Gnabry (27) durch, der trocken zum 7:0-Endstand vollstreckte. Eine sehenswerte Aktion des Augsburgers mit kroatischen Wurzeln, der im Ruhrpott in der 72. Minute eingewechselt wurde.
Während Vidovic aufdrehte, verbrachte Wanner auch die restlichen Minuten auf der Bank. Immerhin war er in Bochum zum ersten Mal in dieser Saison Teil des Profi-Kaders. In Sachen Spielzeit hilft das dem Allgäuer, der vereinsintern als eine Art Mini-Version von Ur-Bayer Thomas Müller (32) gesehen wird, nicht weiter. In der Saison 2022/2023 stand der flexibel einsetzbare Offensivspieler nur 84 Minuten auf dem Platz – und zwar im U19-Bundesliga-Derby gegen den TSV 1860 vor knapp zwei Wochen. Gegen die Löwen drehte Wanner ordentlich auf und hatte einen großen Anteil am 4:1-Sieg. Die 1:0-Führung hatte er mit einem sensationellen Pass am eigenen Sechzehner eingeleitet, den Elfmeter zum 3:1 holte er ebenfalls heraus. In seinen Dribblings und Zweikämpfen strahlte er eine beeindruckende Dominanz aus.
Während Wanner im Nachwuchsbereich weiter zaubert, befindet er sich bei den Profis erneut in der Warteschleife – hat aber kein Problem damit. Denn: Die sportliche Leitung verfolgt einen klaren Plan mit dem Bayern-Juwel, der ihn für die Bundesliga fit machen soll. Wanner wird in den kommenden Spielen jetzt erst einmal Rhythmus und Spielfitness aufbauen. Darum wird er bis Herbst bei der U19 Partien in der Youth League und ausgewählte Regionalliga spiele über 90 Minuten bestreiten. Sind diese beiden Komponenten gegeben, kommt der nächste Schritt in der Karriereplanung des Nachwuchs-Nationalspielers: Wanner soll ab September eine ernsthafte Alternative für das Profiteam darstellen, wenn zahlreiche englische Wochen anstehen. So soll er Spielpraxis auf höchsten Niveau sammeln.
Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, hat sich das Trainerteam um Julian Nagelsmann (35) etwas überlegt: Da der Rekordmeister auf den Offensiv-Positionen prominent besetzt ist, soll Wanner als Back-up für Alphonso Davies (21) auf der Linksverteidiger-Position Minuten sammeln. In Testspielen wurde er bereits auf dieser Position getestet und wusste zugefallen. „Der Paul war viel, viel besser, viel engagierter, ist auch fitter geworden und hat andere körperliche Voraussetzungen. Die Leistungsexplosion war da“, lobte Nagelsmann Wanners Auftritte während Vorbereitung. Trotzdem stellt der Trainer klar: „Er ist auf der Zehn groß geworden. Aber es ist nicht so leicht bei der Konkurrenz.“ M. BONKE