Die Geschichte wird man sich später mal so erzählen: Reichtümer haben die Engländer dem Kevin versprochen, die angebotene Summe immer noch um eine Null erweitert und als Währung das britische Pfund dahinter geschrieben – doch der Kevin ist stabil geblieben und hat zu sich gesagt: „Ich kann auch nicht mehr als ein Steak am Tag essen.“ Und außerdem: „Könnte ich in Manchester überhaupt Grüne Sauce wie hier in Frankfurt kriegen? Nein, ein Sossenheim und Sachsenhausen kann mir nur meine Perle am Main bieten und gewiss kein Manchester.“ Und so ist Kevin Trapp nicht ins Tor von Manchester United gewechselt, sondern in dem von Eintracht Frankfurt geblieben. So treu muss zuletzt Uwe Seeler vor über 60 Jahren gewesen sein, als er Inter Mailand abblitzen ließ. Nun: Uns Kevin. Der Fußball romantisch wie lange nicht mehr.
Ja, es ist schon bemerkenswert, dass Kevin Trapp sich so entschieden hat. Denn in der Regel bevorzugen Profifußballer sehr viel Geld, wenn es die Alternative zu etwas weniger viel Geld ist. Und der Klang der Adresse spielt auch eine Rolle: Manchester United. Mag durch die kurze Trainerzeit von Ralf Rangnick etwas entweiht sein, atmet aber dennoch Geschichte. Man überlegt sich das Nein auf eine solche Anfrage hin länger.
Wahrscheinlich hätte Manchester United ein Jahr früher eher Erfolg mit seinem Werben gehabt. Doch was Trapp mit der Eintracht in der Europa League erlebte, hat die Bindung an den Verein noch gestärkt. Vom Gedanken, wie viele Menschen man mit einem Weggang enttäuschen würde und was man alles aufgeben würde, kann sich dann auch ein Berufsspieler nicht freimachen. Insoweit hat die Entscheidung von Kevin Trapp einen romantischen Charakter.
Es wäre schließlich auch vertretbar gewesen, so zu argumentieren: Man muss gehen, wenn’s am schönsten ist und das Erlebte sicher im Herzen bewahren. Denn wiederholen kann Eintracht Frankfurt den herausragenden Erfolg wohl nicht, die Mannschaft verändert sich jetzt bereits, und es kann passieren, dass die SGE von der Champions League gefressen wird. Aber Uwe Seeler hat mit dem HSV auch oft leiden müssen, später sogar als Präsident. Uns Kevins Weg ist also vorgezeichnet.
Guenter.Klein@ovb.net