München – Die Leidenschaft für Tennis ist ihm immer noch anzuhören. Er klingt sogar hörbar verärgert am Telefon, wenn er über die anstehenden US Open spricht. „Dass Djokovic nicht spielen darf, ist ganz falsch. Letztes Jahr war es mit Corona noch schlimmer und er durfte spielen, dieses Jahr nicht mehr“, sagt Niki Pilic.
Die Verbundenheit zum 20-fachen Grand-Slam-Champion ist logisch: Pilic hat den Serben als Teenager einige Jahre in seiner Akademie in München trainiert. An diesem Samstag wird Pilic 83 Jahre alt, 1939 wurde er im damaligen Königreich Jugoslawien geboren. Und er verfolgt nicht nur seine ehemaligen Schützlinge. „Auch wenn Nadal in Cincinatti verloren hat, sollte er mit der langen Pause jetzt fit sein“, mutmaßt er und ergänzt: „Sonst haben Alcaraz, Tsitsipas oder auch Sinner gute Chancen. Schade, dass Zverev nicht dabei ist, aber Fünf-Satz-Matches wären nach der Verletzung wohl zu früh.“
Ein Nikola Pilic, der am Telefon erzählt, dass er sich nicht mehr für Tennis interessiert, wäre aber auch schwer vorstellbar gewesen. Seine Biografie ist durch den Sport bestimmt und er hat den Sport geprägt. Als Profi gehörte er zu den Gründern der ATP, als Trainer gewann er mit Deutschland, Kroatien und Serbien den Davis Cup. Zwischen 1989 bis zur Insolvenz 2010 betrieb er eine Tennis Akademie in München.
Etwas überraschend ist aber das: Noch immer steht Pilic als Trainer auf dem Platz, beinahe täglich. „Ich arbeite drei Stunden am Tag, nur Samstagnachmittag und Sonntag sind frei“, erzählt er und fügt an: „In meinem Alter ist das gut, sich zu bewegen, so bleibt man fit.“ Seit acht Jahren wohnt Pilic, der 1987 die deutsche Staatsbürgerschaft annahm, in Opatija an der kroatischen Adria. „Eine schöne kleine Stadt, direkt am Meer“, beschreibt er es . Seine Tochter und sein Sohn, die beide noch in München wohnen würden, könnten so öfter vorbei schauen, erzählt er.
Regelmäßigen Besuch aus seiner alten Heimat bekommt er auch von seinem anderen Münchner. Der zwölfjährige Filip Lazarevic. spielt Tennis beim TC Blutenburg und trainiert einige Wochen im Jahr bei Pilic. Eines, für das dieser schon früher bekannt war, hat sich nicht geändert. „Ich nehme nur Talentierte, dann kann ich etwas machen. Dann ist es ein kreativer Job, Trainer zu sein.“
Auch in einer zweiten Sache, die zu seinem Ruf gehört, ist er sich treu geblieben: Ausschweifende Feierlichkeiten mag er nicht. Den Geburtstag werde er am Samstag mit seiner Frau im Restaurant in der Nähe feiern, „größer gefällt es mir nicht“, meint er. Wünsche für das neue Lebensjahr hat er einen: „Das ich gesund bleibe und weiter Tennisspielen kann.“ THOMAS JENSEN