Duell der Karten-Sammler

von Redaktion

1860 bei Viktoria Köln – gibt es die nächste Verwarnungs-Flut?

VON JACOB ALSCHNER

München – Mit Zahlen ist es im Fußball immer so eine Sache. Sie lügen nicht, sagt derjenige, dem sie in den Kram passen. Man solle Statistiken nicht trauen, so lange man sie nicht selbst gefälscht hat, sagt der, dem sie nicht gefallen. Wer nun vor dem Spiel des TSV 1860 bei Viktoria Köln an diesem Samstag (14.00 Uhr, MagentaSport) einen Blick auf die Tabelle der Gelben und Roten Karten der 3. Liga wirft, sieht: das Duell im Sportpark Höhenberg könnte ein Kampf im eigentlichen Wortsinne werden.

Zwölfmal sahen die Sechzger in dieser Saison schon Gelb, einmal (Tim Rieder im letzten Spiel gegen Halle) die Rote Karte. Die hat die Viktoria zwar noch nicht auf dem Konto, dafür jedoch stehen bereits 14 Verwarnungen zu Buche, außerdem eine Gelb-Rote Karte. Nur Ingolstadt und Halle sind, bezieht man sich auf diese Statistik allein, unfairer unterwegs. Gerade die Kölner langen – mit durchschnittlich 56 Fouls – im Ligavergleich übermäßig oft zu.

Was auch zur Philosophie von (Ex-Löwen-Co-)Trainer Olaf Janßen gehört, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verriet. „Das ist bei uns Grundgesetz Nummer eins: Wir wollen nicht den Ball selbst verwalten.“ Im Gegenteil: „Wir wollen nervig sein, uns Bälle erobern – und dann vorne agieren. Dazu müssen wir auch Fouls in Kauf nehmen.“ Es dürfte also rassig zugehen am Rhein.

Doch 1860 ist gewappnet. „Wir haben kaum Verletzte vom ersten Tag an“, beschrieb Trainer Michael Köllner die personelle Stärke der Löwen. „Daran sieht man, wie gut wir in der Sommerpause gearbeitet haben.“

Die Breite des Kaders bei wenig Leistungsgefälle zwischen den einzelnen Spielern ist eines der Erfolgsgeheimnisse bei Sechzig. Das andere ist ein wandelndes Muskelpaket auf etwa 1,80 Metern Länge, ein „Topmann“, wie Köllner sagt, der im Sommer vom FC Ingolstadt an die Grünwalder Straße wechselte. Jörg Mikoleit ist neuer Co-Trainer und vor allem mit der Fitness der Spieler befasst. Wer ihn einmal im Training beobachtet hat, weiß, wie sehr er seine Spieler drillt.

Kapitän Stefan Lex, der Mikoleit schon aus „Schanzer“-Zeiten kannte, sagte schon im Sommer, Mikoleit sei bei den Spielern nicht der Beliebteste: „Weil er auch sehr fordernd ist. Als es im Raum stand, dass er kommt, hab ich ihm geschrieben und gefragt, ob das stimmt. Da hat er geantwortet: ,Ja, aber ich hoffe, du bleibst trotzdem im Verein!’“.

Lex blieb und Mikoleits Arbeit sorgt nun dafür, dass die Löwen womöglich auch aus Köln heil abreisen werden.

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