Der Großveranstaltung European Championships in München wurde ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt – und dabei soll es auch bleiben. Die elf Tage im August 2022 haben unvergessliche Sportmomente geschaffen und sich ihren Platz in der Geschichte der Olympiastadt verdient. Es ist alles gut geworden.
Wie man eine knappe Woche nach dem fulminanten Schlusspunkt im Olympiastadion aber erahnen kann: Ein Selbstläufer waren diese miteinander verbundenen neun Europameisterschaften nicht. Und bis kurz vor oder zu ihrem Beginn hakte es in einigen der angebotenen Sportarten bei der öffentlichen Wahrnehmung. Beispiel Leichtathletik: Die von der sportlichen Wertigkeit im Zentrum stehende Disziplin musste erst mit überraschenden Erfolgen für sich Werbung machen – am Premierenabend mit einem noch kärglichen Programm (Kugelstoßen und 10 000 Meter der Frauen) war die Kulisse so überschaubar wie bei einem Fußballspiel von Türkgücü München. Danach gab es stützende Freikarten- oder Zwei-Tickets-zum-Preis-von-einem-Aktionen.
Das Konzertprogramm, die Gratis-Sportarten wie BMX, Mountainbike, Triathlon, Straßenradrennen, Gehen, Marathon oder an einigen Tagen Beachvolleyball – schön und gut für die Besuchergesamtbilanz, die mit 1,5 Millionen wuchtig klingt. Doch die harte Währung ist: Wie oft wurde Eintritt bezahlt? Klar, dass das provisorische und mit 1500 Plätzen kleine Velodrom oder die Volleyball- und Kletter-Locations locker ausverkauft waren – doch bei den enormen Kapazitäten im Stadion und an der Regatta in Oberschleißheim war dies nicht möglich. Wohl kein Zufall, dass Olympiapark-Chefin Marion Schöne die dafür zuständigen Fachverbände für Leichtathletik und Rudern hart angeht: Sie sollen gegen die Championships gearbeitet haben. Nun ja, seitens der Verbände hört man, die gute Frau Schöne sei massiv unter Druck gestanden und in Panik geraten, weil sie einen Flop der Championships befürchtete.
Wenn es im Zusammenspiel zwischen professioneller Championships-Organisation und den teils mit Ehrenamtlern agierenden Verbänden hakt, gehört das besprochen. Untereinander. Doch die zur Schau getragene Eifersüchtelei, wer seinen Part gut und wer seinen schlecht erledigt hat (der andere!), stehen leider für die zehnte EM: im Hauen und Stechen. Unwürdig.
Guenter.Klein@ovb.net