Mit Feuer in die EM

von Redaktion

90:71 – DBB-Auswahl deklassiert Slowenien und geht gestärkt ins Heim-Turnier

VON PATRICK REICHELT

München – In den Schlusssekunden kreiselte der Ball noch ein letztes Mal allen noch so verzweifelt gestreckten slowenischen Armen davon. Und natürlich segelte auch der Wurf von Christian Sengfelder durch die Reuse. Am Ende stand ein 90:71. Eine 19-Punkte-Explosion gegen Europameister Slowenien, mit der die deutsche Basketball-Nationalmannschaft im Münchner Audi Dome noch einmal kräftig Feuer entfacht hat für die am Donnerstag beginnende EM in Köln. Verbunden mit der Botschaft: Man kann mitspielen, man kann bestehen gegen die ganz Großen des Kontinents.

Bundestrainer Gordon Herbert wollte über den süßen Sieg, der sein Team ganz nebenbei der WM in Asien ganz nahe gebracht hat, lieber nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. „Wir genießen das kurz und arbeiten dann weiter“, sagte er. Dem Kanadier gefiel umso mehr die Art, wie seine Schützlinge dem prominenten Rivalen entgegen getreten waren. Man hatte über 40 Minuten gekämpft, hatte die Akteure um NBA-Superstar Luka Doncic (23 Punkte), die man auch in Köln wieder sehen wird, nie wirklich zur Entfaltung kommen lassen. Ein Punkt, der sich im Basketball gerade an der Rebound-Bilanz ablesen lässt. 56 Abpraller griffen die DBB-Asse ab, alleine Center Johannes Voigtmann brachte es auf deren elf – Slowenien musste sich mit vergleichsweise überschaubaren 27 bescheiden.

Und auch offensiv zeigten sich die deutschen Spieler anders als zuletzt in Schweden vor allem in Halbzeit zwei gerüstet für die Dinge, die da nun in Köln kommen werden. Das hatte natürlich mit Dennis Schröder zu tun. Am Kapitän und Regisseur waren die ersten 20 Minuten noch vorbei gegangen. Doch DBB-Chef Ingo Weiss kündigte an: „Er wird explodieren!“ Gesagt, getan – mit 17 Punkten und zehn Assists holte sich der NBA-Profi das Selbstvertrauen, das er spätestens am Donnerstag dringend brauchen wird, wenn gegen Frankreich der erste Ernstfall ins Haus steht.

Doch die deutsche Mannschaft demonstrierte eindrucksvoll, dass sie auch offensiv weit mehr ist, als nur Schröder. Variabel wie selten wurden die, allerdings auch restlos enttäuschenden Slowenen ausgespielt. Mal versuchte man sich brachial-dynamisch am Korb, mal aus der Distanz. Der Münchner Andreas Obst sammelte in seinem „Wohnzimmer“ Audi Dome vier Dreier, Voigtmann immerhin deren drei.

Ein bemerkenswert runder Auftritt, der Herbert den kommenden Dienstag noch ein bisschen schwerer machen könnte. Dann wird der Bundestrainer den endgültigen Turnierkader benennen. Wie die Dinge stehen, wird sich dann wohl auch NBA-Finalist Daniel Theis, seit kurzem bei den Indiana Pacers unter Vertrag, nach seinen Knieproblemen wieder zurückmelden. Einen Profi wird Herbert dann streichen müssen. Doch ein solches Luxusproblem wird er wohl gerne in Kauf nehmen.

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