München – Die Geschichte wiederholt sich. Gegen den FC Bayern wird Yann Sommer (33) regelmäßig zum Giganten. Auch beim mitreißenden Bundesliga-Topspiel am Samstagabend in der Allianz Arena bissen sich die Münchner am Gladbacher Torhüter lange Zeit die Zähne aus. Unglaublich: Von 35 Schüssen der haushoch überlegenen Gastgeber saß nur der von Leroy Sané (26) zum 1:1 in der 83. Minute. Gefühlt kann sich der deutsche Rekordmeister national in dieser Saison nur selbst schlagen – oder er scheitert eben am Schweizer Teufelskerl.
„Man kennt es ja gar nicht anders, dass Yan Sommer das Spiel des Jahres gegen uns macht“, meinte Thomas Müller (32) nach dem Remis, bei dem der Fohlen-Keeper 19 Paraden vorzuweisen hatte. Diese Liga-Bestmarke seit Beginn solcher Datenerhebungen 1992 brachte die Bayern an den Rand der ersten Saisonniederlage. Marcus Thuram (25) brachte Gladbach in der 43. Minute aus dem Nichts in Führung. Einen eigentlich harmlosen Abschlag von Christoph Kramer (31) verfehlte Dayot Upamecano (23). Das Geschenk seines Landsmannes nutzte der Franzose zum 1:0.
Ansonsten dominierte der FC Bayern. Zweimal (34., 39.) wurde ein Treffer von Sadio Mané (30) aufgrund von Abseitspositionen aberkannt. Sowohl der senegalesische Stürmer als auch seine Teamkollegen wie Abwehr-Star Matthijs de Ligt (23), der in der Schlussphase als Stürmer eingewechselt wurde, scheiterten immer wieder – an sich selbst oder eben am Gladbacher Torwart. „Er hat gegen uns fast immer schon seine besten Leistungen in der Saison gezeigt“, erkannte auch Bayern-Keeper Manuel Neuer (36) Sommers Gala an. Neuer weiter: „Ein bisschen Cleverness von unserer Seite wäre auch angebracht gewesen. Ein paar Mal hat er (Sommer) auch spekuliert – und wenn man ihn da auf den falschen Fuß erwischt, hätten wir auch mehr Tore erzielt.“
Müller sagte zur diesmal fehlenden Effizienz: „Es war kein Larifari, sondern es waren bewusste, gezielte, konzentrierte Abschlüsse. Aber wenn es im Strafraum sehr dicht zugeht, dann hast du nicht immer die Zeit, dir die Ecke auszusuchen. Dann musst du einfach mal abziehen. Aber er hat alle Dinger, die auf ihn kamen, festgehalten.“ Und was sagte Sommer? Dem war es fast unangenehm, über seine Hexer-Leistung zu sprechen. „Man kommt bei viel Arbeit, wenn es gut läuft, in so einen Flow rein“, so Sommer, der von der Bayern-Darbietung ebenfalls beeindruckt war. „Sie sind in einer unglaublichen Form. Sie machen über 90 Minuten extrem viel Druck, haben viel Power, extrem viel Qualität am Ball, sind sehr variabel im Spiel. Es ist schwer, gegen sie zu punkten.“ Aber Gladbach habe diese harte Prüfung bestanden.
Für die Bayern war das Ergebnis enttäuschend, an der Spielweise seiner Mannschaft hatte Trainer Julian Nagelsmann (35) jedoch wenig zu meckern. Er sprach von der „besten Saisonleistung“ und befand: „Wir haben 35 Torschüsse gehabt, das sollte reichen für drei Punkte in den nächsten Spielen.“ Am Mittwoch (20.46 Uhr, ARD und Sky) steht die erste Runde im DFB-Pokal bei Drittligist Viktoria Köln an. Am Samstag (15.30 Uhr) geht es in der Liga bei Union Berlin weiter.