Es braucht manchmal ja gar nicht viel, um den Dingen eine Wendung zu geben. Ein einzelnes Spiel kann schon viel bewirken. Und so darf man nun gespannt sein, was es denn auslöst, dieses 90:71 der deutschen Basketballer über Slowenien. Klar ist immerhin: Man fährt nun mit Rückenwind nach Köln. Geht der superschweren EM-Vorrunde mit Partien gegen Schwergewichte wie Frankreich, Litauen oder Slowenien gestärkt entgegen.
Und das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen nach einem bis dahin eher durchwachsenen Sommer. Den einzigen hochkarätigen Test im Supercup-Finale gegen Serbien hatte man krachend verloren. Hinzu kamen schmerzhafte Absagen wie die von den NBA-gestählten Spielern Maxi Kleber, Isaac Bonga oder Moritz Wagner.
Und nun? Nun zeigte die Mannschaft von Gordon Herbert gegen Europameister Slowenien, dass sie notfalls auch mit Herz und Arbeit viel bewegen kann. Mit solchen Qualitäten zog sie dem illustren Ensemble um NBA-Superstar Luka Doncic schon in der ersten Halbzeit den Zahn. Und packte dann, angeführt von NBA-Regisseur Dennis Schröder und Center-Feingeist Johannes Voigtmann, auch ein spielerische Demonstration drauf. Ohne Kleber, ohne Bonga, ohne Moritz Wagner und auch ohne NBA-Finalist Daniel Theis, der nach seinen Knieproblemen aber wohl noch auf den EM-Zug aufspringen wird.
Ja, es war nur ein Spiel – und der Weg zur angepeilten Finalrunde in Berlin ist weit. Und doch wächst die Hoffnung, dass diese Mannschaft in ihrer Entwicklung nun weiter ist. Dass sie stabiler ist als etwa bei der WM 2019 als man mit großen Erwartungen nach China reiste und nach einer Auftakt-Niederlage gegen Frankreich auf Platz 18 abschmierte. Schröder & Co 2022 machen den Eindruck, dass sie – gerade vor eigenem Publikum – auch solche Rückschläge wegstecken können.
Dass man hochkarätige Ausfälle zu beklagen hat, ist nichts Ungewöhnliches. Aus allen Ecken des Kontinents werden in dieser Phase Verletzungen vermeldet. Und vielleicht hat die Sache ja auch etwas Gutes. Denn Spieler wie Christian Sengfelder oder Jonas Wohlfahrt-Bottermann mögen nicht das Talent der NBA-Profis haben. Doch sie werfen im DBB-Trikot großen Kampfgeist ins Rennen. Und was der bewirken kann, hat man spätestens am Sonntag gesehen.
patrick.reichelt@ovb.net