Garmisch-Partenkirchen – Nun hat auch Mathias Niederberger (29), der neue Torwart, zum ersten Mal für den EHC München gespielt, und es dauerte nur 19 Minuten, bis er die ersten ihm huldigenden Sprechchöre aus dem Fanblock vernehmen durfte: „Niederberger, Niederberger …“ Der Nationalkeeper, den der EHC Meister Eisbären Berlin abgeluchst hat, erhielt mehrmals Szenenapplaus. Wie ein Gummimann arbeitete er einige Großchancen und Soli des Gegners HC Litvinov weg.
Der Anhang hat einen neuen Liebling – doch andere Spieler des EHC wurden nicht besungen. Denn es fiel nicht einmal ein Münchner Tor. 0:2 unterlag der Vizemeister aus Deutschland der tschechischen Talentschmiede (24 NHL-Spieler hervorgebracht), es war die dritte Niederlage im dritten Testspiel. In 180 Minuten Vorbereitungszeit hat der EHC nicht einmal eine Führung geschmeckt, immer musste er aufholen und scheiterte daran. Und am Donnerstag beginnt beim SC Rapperswil in der Schweiz die Gruppenphase der Champions Hockey League (CHL), am Samstag geht es zum slowakischen Traditionsverein Slovan Bratislava. Mit schlechten Aussichten?
Nein, er sorge sich nicht, versichert der Sportdirektor des EHC, Christian Winkler. „Die Vorbereitung war stressig für die Spieler.“ Weil es in München wegen der European Championships im August noch kein Eis gab, musste zum Training nach Salzburg und Garmisch-Partenkirchen gependelt werden. „Bei manchen Spielern war aber schon die Familie da“, beschreibt Winkler die Alltagsnöte in seiner Eishockey-Mannschaft. Der andere Punkt: „Die Neuzugänge sind noch nicht im System.“ Konkret Verteidiger Ryan McKiernan (33) und Stürmer Chris DeSousa (31) müssen sich mit der speziellen EHC-Spielweise erst vertraut machen.
Von den neuen Feldspielern bleibt nur einem diese Eingewöhnung erspart. Andy Eder (26) ist nach drei Jahren in Nürnberg und Straubing nach München zurückgekehrt. „Drei Jahre“, witzelt er, „habe ich das System nicht aus mir rausgebracht – jetzt brauche ich’s wieder.“ Eder war der auffälligste Angreifer, ihm wird eine größere Rolle zugedacht als in seiner Lehrzeit beim EHC. Er hat sogar an einer Weltmeisterschaft teilgenommen (2021 – „auch wenn ich da nicht so viel gespielt habe“) und wird nun von Trainer Don Jackson neben Ben Street und Frederik Tiffels platziert, anstelle von Trevor Parkes in der vorjährigen Top-Angriffsreihe.
Was hat sich für ihn, bei ihm geändert? „Ich bin reifer geworden, spiele einfacher, mache weniger Fehler“, sagt Eder. Er hat sich permanent gesteigert, obwohl die Saison 21/22 für ihn kompliziert war: „Ich hatte Pfeiffersches Drüsenfieber, war zehn Wochen draußen. Und dann kam auch noch Corona.“
Mit Straubing qualifizierte er sich für die Champions League, mit München spielt er sie nun. „Ich will beide Meisterschaften gewinnen“, sagt er. Die deutsche (da ist der EHC Favorit), die internationale, die nun losgeht. Jedoch ohne einen Erfolg in der Vorbereitung. Das stört den Tegernseer nicht: „Ehrlich gesagt, sind die Ergebnisse egal. Wichtiger ist die Art und Weise, wie wir spielen.“ Gegen Litvinov fand er den EHC gut.