Die Tränen der Olga Korbut

von Redaktion

Olga Korbut war die Erleuchtung der Olympischen Spiele 1972. Sie war 17, doch wirkte viel jünger, kindlich nahezu. Und vor allem: Sie korrigierte das Bild, das die Welt bis dahin von Sportlerinnen und Athleten aus dem Osten hatten: Leistungsmaschinen, die niemals Miene verziehen. Olga Korbut aus dem belarussischen Grodno, dem Turn-Team der UdSSR angehörig, war anders. Sie lachte, wenn ihr eine Übung geglückt war – und dieses Lachen hatte nichts Künstliches, die Menschen in der Olympiahalle und an den Bildschirmen spürten: Das ist authentisch. Doch Olga Korbut fand sich auch am anderen Ende der Gefühlsskala wieder: Nachdem sie im Mehrkampf durch eine völlig verkorkste Vorstellung am Stufenbarren – Note in der 10,0-Zeit war eine 7,5 – eine Medaille verloren hatte (sie wurde Siebte), weinte sie, versank in einem Stuhl – und das gesamte Publikum kämpfte gegen ihre Untröstlichkeit an. Es war eine ziemliche Verliebtheit zu spüren.

Olga Korbut konnte sich trösten mit Gold im Team, am Schwebebalken und Boden sowie Silber am Stufenbarren. Längst lebt sie in Arizona, immer noch klein und leicht – und sie versucht, ihren Ruhm als „Spatz von Grodno“ ein wenig zu vermarkten. Ihr Weg führte sie mit einer anderen olympischen Ikone zusammen: Korbut nahm an einer amerikanischen Eiskunstlauf-Show teil – Jurorin dort war Katarina Witt, DDR-Olympiasiegerin 1984 und 88. gük/Foto: Imago

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