München – 1:7, 4:5 und 0:2 – der EHC München verlor seine Testspiele gegen internationale Konkurrenz aus Tschechien und der Schweiz. Ist das Team noch nicht bereit für die Champions Hockey League (CHL), in der es am Donnerstag (20 Uhr) bei Rapperswil-Jona in der Schweiz und am Samstag (16 Uhr) bei Slovan Bratislava antreten muss und mit Tappara Tampere auch noch den Finalisten des Vorjahres in der Gruppe hat? Ein Gespräch mit Christian Winkler (51), dem Eishockey-Chef von Red Bull.
Christian Winkler, was sagt man zu einer Vorbereitung mit drei Niederlagen in drei Spielen?
Man muss es einordnen. Die Vorbereitung war für alle sehr anstrengend, nicht nur auf dem Eis, sondern auch durch die Umstände. Da München kein Eis hatte, waren wir ständig unterwegs, in ungewohnten Betten. Mental eine Belastung. Spielerisch haben wir seit dem ersten Auftritt eine klare Steigerung hingelegt, die Tendenz passt. Wir sind nicht besorgt.
Der EHC hat nicht viele Spieler verpflichtet, aber solche, die Schlüsselrollen einnehmen sollen. Wer hat welches Profil?
Fangen wir hinten an. Torwart Mathias Niederberger steht für absolute Stabilität, er ist mit das Beste, was man in Deutschland haben kann. Er strahlt Ruhe aus, ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit klarem Kopf und Weitblick. Mit Ryan McKiernan haben wir in der Abwehr einen, gegen den zu spielen unangenehm ist und der das gewisse Gewinner-Gen hat mit seinen Meisterschaften aus Wien, Berlin und dem Champions-League-Sieg mit Rögle. Chris DeSousa steht für das ungemütlichere Element, das du in einer Mannschaft brauchst, zugleich kann er spielerisch auf dem höchsten Niveau in der Liga sein. Andy Eder bringt Geschwindigkeit, Explosivität und einen guten Schuss aufs Eis, er ist bei uns in der Organisation groß geworden und braucht keine Eingewöhnung. Mit dem jungen Veit Oswald haben wir aus Landshut den Top-Scorer der Deutschen Nachwuchs-Liga geholt, er zeigt viel Selbstvertrauen, aber wir erwarten noch nicht die großen Sprünge von ihm.
Nebeneffekt der Verstärkungen: Drei DEL-Konkurrenten, Berlin, Wolfsburg und Straubing, haben Sie dadurch auch geschwächt. Die Methode FC Bayern: Bringt mich weiter – und tut den anderen weh.
Auch wenn unser letzter Titel vier Jahre zurückliegt, waren wir danach nicht furchtbar schlecht, sondern immer eine Topmannschaft und nahe dran an der Meisterschaft. Man muss daher Spieler verpflichten, die einen besser machen. Chris DeSousa etwa hat sich in den Playoffs gegen uns empfohlen, da hat er ein paar Checks gefahren, bei denen es mich geschüttelt hat. Den hast du gerne in der Mannschaft, der kann eine Message senden. Ja, Wolfsburg gehört mittlerweile zu den großen Vier. Und wenn eine Mannschaft, in diesem Fall die Eisbären Berlin, einen wie Mathias Niederberger verliert, schmerzt das natürlich.
Andy Eder war drei Jahre weg, in Nürnberg und Straubing. Braucht es manchmal die Reife in der Fremde?
Die Beziehung zu Andy ist nie abgerissen, wir waren immer offen und ehrlich, was seine nächsten Schritte betrifft. Ich habe ihn auch zum Schritt nach Straubing ermuntert, weil er dort die Möglichkeit hatte, sich weiterzuentwickeln. Heute muss ich Straubings Trainer Tom Pokel ein Chapeau zurufen, dass er ihm das Vertrauen geschenkt hat. Andy ist vom jungen Burschen zum Mann gereift. Und wir haben noch lange nicht den besten Andy Eder gesehen. Sein Bruder Tobi ist in Düsseldorf auf ähnlichem Weg. Wenn uns einer wie Andy und Tobi uns zu einem bestimmten Zeitpunkt verlassen, weil es da nicht passt, heißt das nicht, dass sie nicht eines Tages zurückkehren.
Zwei junge Spieler des EHC, Julian Lutz und Maksymilian Szuber, wurden im Sommer vom NHL-Club Arizona Coyotes gedraftet. Wie ist bei ihnen der Karriereplan?
Als Gedrafteter hast du schon mal eine Startnummer bekommen. Beide waren drüben im ersten Camp. Der Plan ist, dass nach den vier Champions-League-Spielen beide nochmals rübergehen zum Rookie-Camp, Maksy ist sogar eingeplant fürs Haupt-Camp und soll mit den Coyotes das eine oder andere Vorbereitungsspiel bestreiten und dann zu uns zurückkommen. Spielen beide bei uns eine gute Saison, stehen ihnen die Türen offen. Bei Szuber kann man einen Wechsel für nächstes Jahr nicht ausschließen, denn er hat das Gardemaß eines Verteidigers. Bei uns hat ihn bisher Yannic Seidenberg an die Hand genommen, doch bald kann Maksy selber führen. Arizona ist im Umbruch, da steht vorerst nicht der Gewinn des Stanley Cup auf der Agenda, sondern das Ausbilden, da rutscht man als junger Spieler schnell rein.
Rapperswil, Bratislava, Tampere – hat der EHC München die stärkste CHLGruppe seiner Geschichte erwischt?
Ich fand die im vergangenen Jahr mit Rögle BK aus Schweden und dem EV Zug aus der Schweiz schon bemerkenswert. Die CHL hat sich entwickelt, denn die Ligen sind enorm zusammengewachsen. Die Schweiz erlaubt jetzt mehr Importspieler, in Rapperswil werden wir nichts geschenkt bekommen. Man wird das eine oder andere Spiel in der CHL abgeben müssen, darf sich aber nicht viel erlauben. Die ersten vier Spiele werden ganz, ganz wichtig.
Interview: Günter Klein