New York – Als die große „We-Love-Serena-Show“ vorerst beendet war, versammelte die überwältigte Hauptdarstellerin im tosenden Arthur-Ashe-Stadion ihre Familie um sich und posierte strahlend für ein Foto. Das aufgedrehte Publikum, die Promis auf der Tribüne, das ausführliche Rahmenprogramm – alles wirkte so, als hätte Serena Williams gerade zum siebten Mal die US Open gewonnen.
Davon ist die 40-Jahre alte Ausnahmekönnerin bei ihren wohl letzten Auftritten auf der ganz großen Bühne noch weit entfernt, doch der Abend ihres Erstrundensiegs in New York hatte für die US-Amerikanerin, die im schwarzen Glitzerkleid aufgelaufen war, etwas Magisches.
„Der Empfang war wirklich überwältigend. Es war laut und ich konnte es in meiner Brust spüren“, sagte Williams nach ihrem 6:3, 6:3-Erfolg gegen Danka Kovinic aus Montenegro: „Das ist ein Gefühl, das ich nie vergessen werde. Ja, das hat mir viel bedeutet.“
Viel beweglicher auf den Beinen als zuletzt und mit dem noch immer unerschütterlichen Siegeswillen einer 23-maligen Grand-Slam-Siegerin hatte sie nicht nur Edelfans wie Ex-US-Präsident Bill Clinton, Schauspieler Hugh Jackman oder Ex-Skistar Lindsey Vonn, die auf der Tribüne saßen, verzückt. Sie hatte vor allem der ganzen Welt gezeigt, dass sie es noch immer kann. Von „Vintage-Serena“ war beim TV-Sender ESPN die Rede.
Nach dem Match würdigten unter anderem Billie Jean King und die berühmte Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey Williams, die aktuell in der Tennisszene und darüber hinaus mit Liebe überschüttet wird. Und ein kleines Hintertürchen lässt sie sich trotz ihrer Rücktrittsankündigung weiter offen. Die Frage, ob die US Open nun wirklich ihr letztes Turnier seien, beantwortete die frühere Nummer eins der Welt auf ihre Art. „Ich habe mich ziemlich vage ausgedrückt, oder?“, sagte Williams in Bezug auf ihren Artikel in der „Vogue“, in dem sie angekündigt hatte, dass ihre Zeit als Tennisspielerin in Kürze vorbei sei: „Ich bleibe vage, weil man nie weiß.“
Das gilt ein Stück weit auch für das nächste Match am Mittwoch gegen die Weltranglistenzweite Anett Kontaveit aus Estland, die vom deutschen Trainer Torben Beltz trainiert wird. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist ehrlich gesagt alles ein Bonus für mich“, erklärte Williams, die bei den US Open im Doppel auch noch mit ihrer Schwester Venus (42) an den Start geht.
„Sie ist mein Fels in der Brandung“, sagte Serena Williams über den letzten Sister-Act vor ihrem Heimpublikum: „Ich freue mich sehr darauf, mit ihr zu spielen, das letzte Mal ist schon lange her.“ sid