Käpt’n Dennis als Schlüsselfigur

von Redaktion

BASKETBALL Schröder soll bei der EM das deutsche Team führen – es geht für ihn auch um einen neuen Job in der NBA

Köln – Als Dennis Schröder Interviews gab, flitzte sein Ältester im Trikot der Houston Rockets mit dem Basketball übers Parkett. Mutter Ellen, im siebten Monat schwanger, sah sich das Treiben von Dennis Malick Jr. aus der Nähe an, die Frau des neuen Nationalmannschaftskapitäns erwartet das dritte gemeinsame Kind. Das Familienglück der Schröders wird größer, doch es ist offen, wo die Fünf künftig leben werden.

Schröder, Schlüsselspieler der deutschen Basketballer, soll bei der Heim-EM vorangehen. Der Anführer hat allerdings noch eine andere Baustelle: Er hat noch immer keinen neuen Club in der NBA gefunden. Das Thema spielt er herunter, gibt sich entspannt. Doch es sind immer weniger Plätze frei. Und darum geht es für ihn ab Donnerstag in Köln beginnt, um weit mehr als einen Medaillentraum.

Zuletzt gab es Berichte über ein Interesse von den Los Angeles Lakers. Also der Franchise, deren 84-Millionen-Dollar-Angebot für vier Jahre er einst ablehnte, bevor es mit der Karriere bergab ging. Erst spielte Schröder für ein Jahresgehalt von für NBA-Verhältnisse schmalen 5,9 Millionen Dollar bei den Boston Celtics, dann ging es unfreiwillig zu den Rockets.

Dass der flinke Point Guard trotz aller Ungewissheit für das Nationalteam aufläuft und als vertragsloser Profi eine Verletzung riskiert – zuletzt erst erwischte es ihn beim Supercup in Hamburg am Fuß – sagt viel über seine Mentalität aus. Schröder steht immer zur Verfügung, wenn es machbar ist. Im Vorjahr verhinderten Versicherungsprobleme seinen Einsatz auf dem Weg nach Tokio und bei Olympia.

Nun ist er dabei – und das könnte entscheidend sein. „Er ist unser bester Spieler“, betonte zuletzt Dirk Nowitzki. Das deutsche Basketballidol weiß um Schröders enorme Bedeutung: „Ich glaube, er ist dafür gewachsen und er hat dieses Selbstvertrauen, dass er eine gute Heim-EM für uns spielen wird.“

Nachdem er den langjährigen Kapitän Robin Benzing früh aus dem Kader gestrichen hatte, entschied sich Bundestrainer Gordon Herbert für Schröder als Nachfolger. „Er macht seine Sache großartig, sowohl auf als auch neben dem Feld, und ist ein guter Anführer“, sagte der Kanadier.

Doch Schröder ist nicht unumstritten, mit seiner Art eckt er ab und zu an. „Natürlich bin ich selbstbewusst. Ich stehe dazu, dass ich etwas drauf- und erreicht habe“, sagte der Braunschweiger Sports Illustrated: „Ob das etwas mit Arroganz zu tun hat, weiß ich nicht.“

Eins ist sicher: Mit Schröder ist das Team besser als ohne. Was auch für Daniel Theis von den Indiana Pacers gelten dürfte. Die Entscheidung über seinen Einsatz im Auftaktspiel am Donnerstag gegen Frankreich (20.30 Uhr/MagentaSport) wird wohl erst auf den letzten Drücker fallen. Der Center nahm am Dienstag am ersten Training des deutschen Nationalteams im Vorrundenspielort Köln teil. Am Mittwoch müsse man dann „eine Entscheidung treffen“, sagte Bundestrainer Gordon Herbert.

Schon vor Mittwoch klar ist die allgemeine Ausrichtung für die Vorrunde – und die gab Schröder vor. Man müsse „mental vorbereitet“ sein, forderte er und warnte vor den Tücken der Vorrunde: „Das ist eine Bombengruppe.“ Der Kapitän versucht, seiner Verantwortung gerecht zu werden – schon vor der ersten Partie.  sid

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