Endlich „Deadline Day“

Tag der Schludrigkeit

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Die Generation unserer Mütter – wie sehr muss sie ihn verachten, diesen Tag, den heutigen, den der globalisierte Fußball „Deadline Day“ nennt, als wäre er einem geschichtlichen Ereignis oder einem kirchlichen Hochfest gewidmet. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ – diese Grundregel des Seins früherer Generationen missachtet die Kicker-Branche komplett. Und so ist der diesmal 1. September, an dem – Fachbegriff – „das Transferfenster schließt“, nichts anderes als der Tag der Schludrigkeit. Denn wenn am 15. August oder 28. Juli finito wäre, kämen genau die gleichen Transfers zustande.

Doch warum findet in jedem Sommer und Winter diese Last-Minute-Show statt, bei der in der heißesten Phase die Faxgeräte glühen und die Server des UEFA-Transfermeldeportals in die Knie gehen? Vielleicht hat dies mit der Persönlichkeit der Manager, Sportdirektoren und Kaderplaner zu tun. Sie waren ja alle mal leidenschaftliche Fußballer, als Kinder schon, haben ihren Sport über alles andere gestellt und den Rest in die zweite Reihe. Also die Schule, die Hausaufgaben. Wir stellen uns einige heute sehr berühmte Bundesliga-Köpfe vor, wie sie im ruckelnden Schulbus zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn noch eine Mathe-Gleichung gelöst haben (mit freundlicher Unterstützung des Klassenbesten). Ohne jemandem aus der Manager-Garde nahetreten zu wollen: In einem bürgerlichen Beruf würde keiner diese (Un-) Summen bewegen dürfen. Und auch noch selbst Millionen verdienen.

Natürlich wird das Gehabe des „Deadline Day“ befeuert von den Medien. Sky Sport News lässt die Gerüchte durchlaufen wie n-tv oder Bloomberg die Börsenkurse, und der ewige Reporter Uli Köhler muss vor dem Geschäftsgebäude eines Clubs, der noch Spieler abgibt oder aufnimmt, stehen und viertelstündlich ein Update geben. Dann ist letzter Tag 18 Uhr, und ein paar Deals bleiben noch ein paar Stunden geheim. Am nächsten Morgen gehen die letzten Meldungen raus.

Danach haben alle Kaderbastler erst mal nichts zu tun und sozusagen große Ferien. Wie damals in der Schule, in der sie sich das Rüstzeug fürs Leben geholt haben. Warum etwas sofort erledigen? Gut Ding will Weile haben. Sagen Mütter schließlich auch.

Guenter.Klein@ovb.net

Artikel 1 von 11