München – Die Pokal-Reise zu Drittligist Viktoria Köln (20.46 Uhr, Sky und ARD) tritt der FC Bayern erst am Spieltag selbst an. Um die Mittagszeit wird der deutsche Rekordmeister an diesem Mittwoch in Richtung Domstadt abheben. Normalerweise reist die Mannschaft stets einen Tag vor Spielbeginn an. Dass die Reiseplanung diesmal anders ausfällt, hat laut Trainer Julian Nagelsmann (35) nichts mit mangelndem Respekt vor dem Gegner zu tun: „Wir haben drei Auswärtsspiele in Folge – und da geht es drum, die Übernachtungszeiten möglichst zu reduzieren. Die Zeit im Hotel ist langweilig und kräftezehrend, da verlierst du Spannung.“
Auf die leichte Schulter nimmt Nagelsmann den Drittligisten nicht. „Es ist ein wichtiges Spiel, ein K.-o.-Spiel. Viktoria hat einen erfahrenen Trainer und erfahrene Spieler. Sie haben es gegen Hoffenheim letztes Jahr im Pokal gut gemacht. Es ist kein ganz einfaches Spiel“, sagte der Trainer und kündigte eine Rotation an: „Fünf Wechsel könnten es werden. Wir werden ein bisschen rotieren, allen Spielern Rhythmus geben. Mathys Tel wird im Normalfall beginnen, dazu auch Josip Stanisic, Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui.“
Wer glaubt, die Gegner-Analyse von Nagelsmann fällt bei einem unterklassigeren Gegner kürzer aus, der irrt sich. „Ich habe meinen Spielern eher mehr Szenen vom Gegner gezeigt, weil sie die Viktoria-Spieler nicht aus der Bundesliga kennen“, verriet der Münchner Fußballlehrer.
Trotz der akribischen Vorbereitung auf die Partie, könnten die Unterschiede zwischen dem FC Bayern und Viktoria Köln größer nicht sein. Vor allem beim Blick auf die Zahlen wird klar, dass es sich um ein Duell der Fußball-Welten handelt. Der Gesamt-Marktwert der Viktoria beträgt laut transfermarkt.de 6,60 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Spieler des deutschen Rekordmeisters sind 860,53 Millionen wert. Wertvollster Bayern-Spieler ist Joshua Kimmich (27) mit einem Martkwert von 80 Millionen Euro. Bei den Kölnern ist es Kapitän Marcel Risse (32) mit 450 000 Euro. Er kickte früher u. a. in der Bundesliga für Mainz, Leverkusen und den 1. FC Köln.
Gewaltige Unterschiede gibt es freilich auch bei den Fan-Zahlen: Viktoria hat 623 Vereinsmitglieder, die Münchner haben knapp 300 000. Bei den Zuschauerzahlen schwebt Bayern ebenfalls in ganz anderen Sphären: Während die Allianz Arena Platz für 75 024 Fans bietet, passen in den Sportpark Höhenberg immerhin 10 001 Anhänger. Für das Pokalspiel musste die Viktoria sogar ins Rhein-Energie-Stadion umziehen, wo für gewöhnlich der 1. FC Köln seine Partien bestreitet.
Die Bosse des Drittligisten hatten anfangs sogar Befürchtungen, dass sie sich mit dem Wechsel ins große FC-Stadion – verbunden mit den dann deutlich höheren Kosten – womöglich übernehmen. Doch die Sorgen sind mittlerweile verflogen, die Vorfreude auf das Aufeinandertreffen ist riesig. Im Viktoria-Fanshop gibt es schon einen Begegnungsschal, ein extra angefertigtes Trikot sowie einen Spieltags-Wimpel – und auch das Stadion ist bis auf wenige VIP-Tickets mit 50 000 Fans bereits ausverkauft. Das David-gegen-Goliath-Spiel kann kommen.