Energieabfall mit Folgen

von Redaktion

Bayern spielen nur 1:1 bei Union und verlieren die Tabellenführung

VON PHILIPP KESSLER

Berlin – Die Bayern sind erneut gestolpert: Nach dem Unentschieden in der Woche zuvor gegen Mönchengladbach kamen die Münchner am Samstag bei Union Berlin ebenfalls nicht über ein 1:1 hinaus. Der in der jungen Saison noch ungeschlagene Rekordmeister gab die Tabellenführung damit ab. Entsprechend missgelaunt war Trainer Julian Nagelsmann (35) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Ich will immer gewinnen. Deswegen antworte ich kurz – ich bin angespannt. Aber nicht wegen Platz drei, das kann ich versichern. Das ist mir am fünften Spieltag relativ scheißegal“, so der ehrgeizige Fußballlehrer.

Im Vergleich zum 1:1 gegen die Borussia waren die Bayern in Berlin zwar überlegen, aber nicht so übermächtig. Union ging nach einer äußerst diskutablen Freistoßentscheidung von Schiedsrichter Frank Willenborg (43) – „eine klare Schwalbe“ laut Nagelsmann – durch Sheraldo Becker (27) in der 12. Minute in Führung. „Es ist immer wichtig, im letzten Drittel am zweiten Pfosten bis zum Schluss zu verteidigen, mitzulaufen und Kontakt zum Gegenspieler zu haben“, analysierte Kapitän Manuel Neuer (36) den Fehler beim Gegentor. Nur wenig später (15.) machte Mittelfeld-Antreiber Joshua Kimmich (27) mit einem flachen Direktschuss ins linke Eck den Rückstand wieder wett – 1:1.

Dabei blieb es im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei, auch weil die Bayern ihre wenigen herausgespielten Torchancen gegen tief verteidigende Berliner nicht nutzen konnten. Die größten Möglichkeiten vergaben Leroy Sané (26) in der 36. Minute und kurz vor dem Pausenpfiff sowie Alphonso Davies (21) per Stolper-Schuss und Sadio Mané (30) per Kopf in der Schlussphase des Topspiels. Auf Seiten der Gastgeber hatte Jamie Leweling (21) die beste Chance auf den Siegtreffer – Neuer parierte.

„Wir können sicherlich intern mit einigen Situationen kritisch umgehen: dass wir manchmal zu langsam gespielt und manchmal eine falsche Positionierung hatten“, meinte der eingewechselte Thomas Müller (32). „Wir haben aus meiner Sicht ein ordentliches, aber kein Super-Spiel, mit dem wir top zufrieden sein können, gemacht. Aber das lag schon auch mit am Gegner. Ausgeklammert diese fünf Situationen, wo von uns kein Tor entstand.“

Es sei eben schwierig gewesen, gegen Union Chancen herauszuspielen, analysierte Neuer. Angesprochen auf die These, dass Bayern zuletzt in der Liga gegen hauptsächlich verteidigende Gegner ein klassischer Mittelstürmer gefehlt hat, meinte der Torwart: „Kann man nicht sagen. Es war nicht so, dass wir viele Flankensituationen hatten, wo wir vor die Kette kamen und da einer reinschießen kann oder ein zweiter Ball, der uns vor die Füße kommt.“

Von fehlender Kreativität oder Effizienz seiner Offensive wollte Nagelsmann nichts wissen. „Das Energielevel war leider nicht auf dem Niveau wie in den letzten Wochen“, bemängelte der Coach. „In der zweiten Halbzeit hatten wir zwei Topsituationen, die wir auch ein bisschen schlampig zu Ende spielen, was auch ein bisschen mit dem Energielevel zu tun hat. Wir waren im Kopf nicht zu hundert Prozent wach in allen Situationen.“ Worauf das genau zurückzuführen sei, wisse er nicht. „Es gibt tausend Gründe.“ Fakt ist: Bis zum Champions-League-Auftakt am Mittwoch bei Inter Mailand haben die Bayern noch Zeit, neue Energie zu tanken.

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