Nizza – Heftige Krawalle, fliegende Bengalos, zahlreiche Verletzte – der Sport war plötzlich Nebensache, aber es sollte ja trotzdem weitergehen. Die Profis des 1. FC Köln sammelten sich also noch einmal, bevor sie einliefen ins Stadion des OGC Nizza. „Es war nicht einfach, den Fokus wieder auf den Fußball zu richten“, erzählte Assistenztrainer Andre Pawlak nach dem 1:1 (1:0) in der Conference League und gab einen Einblick in die Kabine.
„Wir haben der Mannschaft gesagt, dass jeder mal in sich reinhören soll“, sagte der Mann, der den gelb-rot-gesperrten Steffen Baumgart vertrat. „Wir hatten uns im Vorfeld so auf diese Partie gefreut. Das wollten wir wieder in den Vordergrund schieben.“ Das gelang dann ganz gut. Neuzugang Steffen Tigges (19.) traf mit seinem ersten Pflichtspieltor für den FC zur verdienten Führung. Doch Nizza wurde in der Folge stärker, einen Handelfmeter verwandelte Andy Delort (61.) zum Ausgleich.
Die Szenen vor dem Spiel, die für eine fast einstündige Verschiebung sorgten, überlagerten am Donnerstag aber alles. Insgesamt wurden 32 Personen verletzt. Vier mussten im Krankenhaus behandelt werden, einer befand sich in kritischem Zustand: Der Mann war stark alkoholisiert aus dem zweiten Rang gestürzt, wohl aber auch geschubst worden. „Da fehlen einem fast die Worte“, sagte Pawlak.
Wie sich alles entwickelt hatte, muss noch aufgearbeitet werden. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete von „einigen Hundert“ Kölnern, die in den Heimbereich eingedrungen waren – allerdings auch von Anhängern Paris Saint. Germains, Nizzas Erzrivalen. Diese hätten sich unter die Kölner gemischt und deren Farben getragen, zudem ein provokantes Plakat entrollt.
Zweifellos waren Kölner stark an den Krawallen beteiligt. FC-Präsident Werner Wolf sprach von „abscheulichen Geschehnissen auf beiden Seiten. Wir werden all unsere Kraft in die Aufklärung setzen und dabei mit aller Konsequenz gegen die Gewalttäter vorgehen.“
Diese hatten im eigenen Lager einen schweren Stand. Einige von ihnen wurden bei der Rückkehr in den Block beschimpft. „Wir sind Kölner – und ihr nicht“, skandierten die Fans. Kölns Geschäftsführer Christian Keller befürchtet seitens der UEFA Konsequenzen – der Verband leitete Ermittlungen ein. sid