Vollgas ohne Coman

von Redaktion

Franzose fällt vorerst aus – alle anderen: Handbremse lösen!

München – Als Kingsley Coman gerade in die Röhre zur Kernspintomografie geschoben wurde, nahm Julian Nagelsmann am Freitag Platz auf dem Podium des Presseraums. Dass irgendwas nicht stimmte, merkte man dem Trainer schnell an, noch bevor er die Worte ausgesprochen hatte, die beim FC Bayern keiner hören wollte: „King hat sich verletzt. Das sieht nicht so gut aus.“

Von Zerrung bis Muskelriss sei alles denkbar, hatte der Coach gesagt – die Diagnose wirkte rund zwei Stunden später dann fast wie eine Entwarnung: Der Franzose hat sich im Abschlusstraining einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und fällt „vorerst“ aus. Auch wenn eine konkrete Zeitangabe in der Mitteilung bewusst fehlte, kann man sich ausrechnen, dass Coman das Heimspiel an diesem Samstag gegen den VfB Stuttgart, das Gastspiel des FC Barcelona in der Champions League am kommenden Dienstag sowie die Auswärtsfahrt nach Augsburg verpassen wird. Nach der Länderspielpause dürfte er Ende September wieder langsam zu Kräften kommen.

Dass Verletzungen kommen würden, war abzusehen. Ein Ausfall von Coman ist in dieser Phase der Saison nicht schlimm, zumal Nagelsmann darüber hinaus alle Mann zur Verfügung hat. Trotzdem schaut man bei Ausfällen des anfälligen Offensivspielers immer genauer hin. Allein aus der vergangenen Spielzeit sind 89 Fehltage verzeichnet, immer wieder hatte er mit Rückschlägen zu kämpfen. Physisch wie psychisch war das nicht einfach – und ist es auch jetzt nicht.

Es ist kein Geheimnis, dass Nagelsmann, der in der Offensive Woche für Woche die Qual der Wahl hat, Coman besonders schätzt. Sein Antritt sei einmalig, sagt der Coach, der den 26-Jährigen als einen der Besten in Europa sieht. Er muss nun ohne ihn gehen. Gegen Stuttgart, wo sowieso Serge Gnabry, Jamal Musiala und Mathys Tel in die erste Elf rotieren. Aber auch gegen Barcelona, wo Coman eigentlich gesetzt war.

Der Blick auf Dienstag, so beteuerte es Nagelsmann, ist aber sowieso noch nicht erlaubt. Fast schon pikiert wirkte der 35-Jährige, als er danach gefragt wurde, wie ein Spiel gegen den VfB zwischen die Knaller bei Inter und gegen Barça passe. Seine klare Ansage für die Liga, wo die Bayern aktuell auf Platz drei stehen: „Wir sind gefordert, schnellstmöglich auf die linke Spur und wieder aufs Gaspedal zu gehen.“ Jeder, der sich hängen lasse, werde das schnell spüren – oder um esmit Nagelsmann zu sagen: „Wenn einer morgen die Handbremse anzieht, kann er am Dienstag die Parkbremse reinmachen.“ Und sich zu Coman auf einen gemütlichen Zuschauerplatz gesellen.  hlr

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