So einfach kann es gehen. Flotter Trainerwechsel – und schon sieht die Welt wieder gut aus. Nimmt man RB Leipzig und die rosige Auferstehung unter Marco Rose als Beispiel, kann man den bekannten Mechanismen der Branche durchaus Positives abgewinnen. Ein Trainer hat sich abgenutzt, ein neuer steht parat. Zwei Einheiten reichen, um einer verunsicherten Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Zu schön, um wahr zu sein!
Auch wenn in Leipzig offiziell eine neue Zeitrechnung angefangen hat – und man ein 3:0 gegen Dortmund auch genießen darf! –, lohnt sich der Blick zurück. Denn aus den letzten Wochen stehen da nicht nur Ergebnisse wie zuletzt das für Domenico Tedescos Aus ausschlaggebende 1:4 gegen Schachtar Donezk, sondern auch ein 1:2 gegen Union Berlin und ein 1:1 gegen den VfB Stuttgart. Zwei Teams, die nach Leipzig nun auch die Bayern ärgern konnten. Und die Lage – so die oberflächliche Betrachtung – für Julian Nagelsmann schon vor dem echten Herbsteinbruch ungemütlicher werden lassen.
Auf dem Papier steht für den Serienmeister der schlechteste Liga-Start seit zwölf Jahren, die Ansprüche sind freilich andere. Trotzdem darf man diese Ergebniskrise nicht pauschal betrachten. Die vergangenen eineinhalb Wochen haben nicht ein großes, sondern mehrere kleine Probleme ans Licht gebracht, die in den Lobhymnen über Leistungsdichte, Energie und Akribie zuvor untergegangen waren. Gegen Gladbach scheiterte das Team an sich selbst. In Berlin wurde ihm vor Augen geführt, dass gegen disziplinierte Teams eine Lösung fehlt. Und gegen Stuttgart nun, dass ohne „Gier und Galle“ (Müller) auch kleine Gegner Stolpersteine sein können – und es manchmal nicht reicht, der FC Bayern zu sein.
Für Julian Nagelsmann ist die Lage der Liga Druck – aber auch Chance. Anders als in der Rückrunde der vergangenen Saison kann er die richtigen Weichen heuer früh genug stellen. Stand jetzt wird die Boss-Etage nicht nervös; Nagelsmann wurde geholt, um zu bleiben. Dass das Spiel gegen Barca aber nun noch mehr Brisanz hat als sowieso, ist logisch. Stichwort: Mechanismen der Branche.
Hanna.Raif@ovb.net