München – Selbst das Padel-Tennis macht Julian Nagelsmann dieser Tage keinen Spaß. „Da müssten sie mich mal erleben, wenn ich verliere“, meinte der Cheftrainer des FC Bayern gestern auf dem Podium der Allianz Arena. Ob er denn gewissermaßen angespannt sei vor so einer wegweisenden Partie wie der heutigen in der Königsklasse gegen den FC Barcelona, hatte ein Pressevertreter gefragt. Insbesondere nach den drei Remis in Folge in der Bundesliga, die zugegebenermaßen nur bedingt als geeigneter Prolog für die Partie gegen den Tabellenzweiten der spanischen LaLiga herhalten. Anspannung will Nagelsmann aber dennoch keine verspüren. „Ich gewinne lieber“, so der 35-jährige Fußballlehrer. „Da bin ich besser drauf. Angespannt bin ich aber eigentlich nie. Eher schlecht drauf. Denn ich habe keinen Bock, nicht zu gewinnen.“ Was ja, gerade zuletzt, häufiger der Fall war.
Immerhin: Nagelsmann gab sich vor dem Duell gegen die Spanier nicht so schmallippig wie zuletzt. Der Trainer wirkte souverän, was freilich nicht mit den jüngsten Resultaten, sondern vielmehr mit der Chance zu tun hat, die sich seiner Mannschaft und ganz besonders ihm heute auftut. Eine Kerbe, in die auch Thomas Müller schlug: „Die drei Unentschieden in der Liga waren gegen Gegner, die hinten verteidigt haben und nicht unbedingt von hinten herausgespielt haben. Der reine Optimist könnte also sagen: Jetzt geht es wieder los!“
Das Schöne am Tagesgeschäft Fußball ist ja, dass sich spätestens alle drei Tage eine neue Gelegenheit bietet, um die Gefühlswelt innerhalb und außerhalb eines Klubs zu beeinflussen. Und für die Säbener Straße bedeutet das: Fährt man nach Inter Mailand gegen das zweite Kaliber in der Champions League einen Sieg ein, zeigt der rote Daumen relativ zügig wieder nach oben.
Nur: Der FC Barcelona mutet nicht wirklich als Aufbaugegner an. Bis auf ein Unentschieden am ersten Spieltag gegen Rayo Vallecano rollen die jüngsten Investments wie Dampfwalzen über die spanischen Stadien. 4:1 bei Real Sociedad, 4:0 gegen Real Valladolid, 3:0 in Sevilla, 5:1 in Pilsen und 4:0 in Cádiz – und mittendrin Robert Lewandowski, der in sechs Saisonpartien bereits neunmal genetzt hat.
Wie er zu stoppen ist? „Er ist ihr torgefährlichster Spieler, braucht aber auch Mitspieler, die ihm die Dinger auflegen“, erklärte Nagelsmann. Wer zwischen den Zeilen liest, weiß: Auch gegen Barcelona will der Rekordmeister spielbestimmend sein, hinten derweil sämtliche Anspiele auf Lewandowski unterbinden. Pluspunkt FCB: Barcelona kann sich nicht auf den einen Stürmer konzentrieren, sondern auf das neue Modell der Münchner bestehend aus vier variablen Angreifern.
Und während Nagelsmann sich selbst weiterhin auf dem rechten Pfad sieht, war er dennoch bemüht, trotz des Bundesliga-Schlendrians die positiven Schwingungen zu unterstreichen, die er so wahrnimmt. „Dass die Ergebnisse aktuell zu wenig sind, das weiß ich auch. Trotzdem ist mein Gefühl besser als letztes Jahr“, so der Coach. Von einem „wegweisendem“, gar „entscheidendem Spiel“ wollte er partout nichts wissen. Das Entwicklungspotenzial seiner Mannschaft sei derweil auf lange Sicht ausgerichtet. Schlecht drauf wird er im Falle einer Pleite aber erneut sein. Er und so manch anderer im Klub, der eventuell auf kurzfristigere Resultate aus ist.