Leverkusen – Die Woche der Wahrheit könnte für Bayer Leverkusen nicht unangenehmer beginnen. Die in der Fußball-Bundesliga auf einen Abstiegsplatz abgestürzte Werkself muss in der Champions League gegen die mit allen Wassern gewaschenen Profis von Atletico Madrid endlich die ersehnte Trendwende einleiten. Ansonsten wird auch die Luft für Trainer Gerardo Seoane dünn.
„Es ist klar, dass bei diesen Resultaten der Druck auf die Verantwortlichen immer steigt. Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte Seoane vor dem kniffligen Duell am Dienstag (21.00 Uhr/DAZN): „Es ist bemerkenswert, wie sich Atletico in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Sie gehören zu den Topklubs in Europa.“
Doch Ausreden zählen nicht mehr. Nach dem peinlichen Pokal-Aus beim Drittligisten SV Elversberg, nur einem Sieg aus den ersten sechs Ligaspielen und der schmerzhaften Pleite zum Königsklassen-Start beim FC Brügge (0:1) muss endlich der Befreiungsschlag gelingen. Dafür forderte Seoane „totale Entschlossenheit“. Man müsse sich „in beiden Strafräumen viel konsequenter verhalten“.
Bei einer weiteren Niederlage gegen das Team des eigenwilligen Trainers Diego Simeone würde das Achtelfinale schon in weite Ferne rücken. Seoane, der auf den argentinischen Mittelfeldspieler Exequiel Palacios (Oberschenkelverletzung) verzichten muss, ist sich der ernsten Lage bewusst. „Natürlich ist man besorgt über die Entwicklung und die Resultate“, sagte der Schweizer. Die Spieler sind offenbar willig, den Bock umzustoßen. „Wir sind extrem motiviert und stehen als Mannschaft zusammen“, versicherte Piero Hincapie.
Für Eintracht Frankfurt wird der Ausflug ans Mittelmeer zum ersten Auswärtsspiel in der Champions League bei Olympique Marseille keine Vergnügungsreise. „Natürlich wollen wir dort punkten. Aber das ist ja kein Wunschkonzert. Wir spielen gegen den Zweiten aus der Ligue 1. Das wird nicht ganz so einfach“, prophezeite Eintracht-Trainer Oliver Glasner einen schweren Gang für die Hessen am Dienstag (21.00 Uhr/DAZN).
Auch für die mehr als 3000 Eintracht-Anhänger ist der Spaßfaktor gering. Bilder von ausgelassenen Fans mit dem Adler auf der Brust wie zuletzt in Barcelona oder Sevilla wird es in der südfranzösischen Hafenstadt nicht geben. Aus Angst vor Ausschreitungen wie jüngst beim Conference-League-Spiel zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln hat die zuständige Polizei-Präfektur zahlreiche Verbote für die Gäste aus Deutschland erlassen.
Denen ist in vier zentral gelegenen Distrikten von Marseille das Tragen von Fanutensilien wie T-Shirts und Schals sowie das Singen von Fanliedern untersagt. Auch der sonst übliche Fanmarsch zum Stadion wurde verboten. Die Anreise darf am Dienstag ausschließlich in organisierten und von der Polizei begleiteten Bussen erfolgen. „Die Polizei hat sehr deutlich hinterlegt, dass die Verbote konsequent durchgesetzt werden. Es wird daher dringend empfohlen, sich an diese Vorgaben zu halten“, appellierte der Verein. Zumindest auf den Tribünen des Stade Velodrome werden sich die Eintracht-Fans lautstark bemerkbar machen. Die Mannschaft kann die Unterstützung nach dem kapitalen Fehlstart in der Königsklasse beim 0:3 gegen Sporting Lissabon und vor allem dem ernüchternden 0:1 in der Fußball-Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg gut gebrauchen. sid/ dpa