Berlin – Zwölf Sekunden vor dem Ende war in der Berliner Arena die Zeit der großen Gesten gekommen. Bundestrainer Gordon Herbert nahm Dennis Schröder vom Feld. Sonderapplaus für den Kapitän, der die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Heim-Europameisterschaft zu einem historischen Erfolg geführt hat. Bronze machten Schröder und Kollegen am Sonntag mit einem 82:69 (36:23) über Polen klar. Die erste große Medaille für den Deutschen Basketball Bund seit 2005.
Wobei sich beim so Gelobten sogar noch ein bisschen Wehmut in die Freude mischte. „Wir haben gehofft, noch ein bisschen höher zu stehen“, sagte Schröder mit Blick auf das Halbfinale gegen Spanien, in dem man im Schlussviertel eine Zehn-Punkte-Führung liegen gelassen hatte. Sprach‘s und verabschiedete sich grinsend in die Feierlichkeiten, die „sicher ein bisschen wilder werden.“
Wobei Schröders Satz aber auch zeigte, was sich in den letzten zwei Wochen verändert hat. Man sieht sich auf dem besten Weg, eine feste Größe im Kreis der großen Basketballnationen zu werden. Vielleicht schon bei den nächsten großen Highlights, der WM 2023 in Asien oder den Olympischen Spielen ein Jahr später in Paris. Klar ist: Die Helden von Köln und Berlin werden dann bei normalem Verlauf noch zur Verfügung stehen. Im Hintergrund warten andere. Der diesmal angeschlagene Maxi Kleber (Dallas), Isaac Bonga (FC Bayern) oder auch Oscar da Silva (Barcelona).
Wobei der Medaillenschmied sein Team 2022 nicht so ganz einfach ändern dürfte. „Diese Spieler waren den ganzen Sommer mit so viel Hingabe dabei“, sagte Gordon Herbert, „wir können stolz sein.“ Pünktlich zum Turnier hatte der Kanadier eine funktionierende Einheit gezimmert, die für viele die beste war in einem Turnier der Superstars um Luka Doncic & Co..
Hatte dafür auch harte Entscheidungen getroffen wie die Aussortierung von Robin Benzing. Der eigentlich schwer getroffene Langzeitkapitän reiste zum kleinen Finale gegen Polen an. Wie ihn die alten Kollegen knuddelten, sagte schon viel. Schröder setzte noch einen drauf: „Er hat so viel für die Nationalmannschaft geopfert“, sagte er, „Robin ist der wahre Kapitän dieses Teams.“ Schröder will sich auch dafür einsetzen, dass Benzing eine Medaille erhält, wenn das nicht geht, „dann kriegt er meine.“
Da interessierte es auch nicht mehr, dass die deutsche Mannschaft die Medaille mit dem schwächsten ihrer neun Turnierauftritte eintütete. Bis tief ins Schlussviertel hinein gelang es nicht, das weitgehend biedere Überraschungsteam aus Polen entscheidend abzuschütteln. Bis Routinier Johannes Voigtmann das Heft in die Hand nahm. Der Neu-Mailänder (14 Punkte) traf vorne mit feinem Händchen von der Dreierlinie, lieferte hinten einen Steal und einen Block – es waren genau die Aktionen, die das, lange Zeit viel zu fahrige deutsche Team zum Griff nach Bronze gebraucht hatte. Voigtmann brachte das immerhin die Kür zum wertvollsten Spieler des Tages ein.
Dennis Schröder, der mit 26 Punkten einmal mehr Topscorer war, überließ ihm das gerne. Der Kapitän wollte zum Ende der EM einfach nur noch feiern.