München – Zwei Drittel seiner Spiele als Eishockey-Trainer hat Don Jackson gewonnen. Niederlagen sind in diesem Sport, der keine Unentschieden duldet, nicht zu vermeiden, sie sollten sich nur nicht ereignen, wenn es unpassend wäre. Am Sonntagnachmittag stimmte das Timing des Schicksals: Zu Jacksons großer Jubiläums-Partie lieferte seine Mannschaft einen Sieg, einen wohlklingenden noch dazu: 5:2 (2:0, 1:2, 2:0) gegen Manheim.
Don Jackson musste sich ins Schweinwerferlicht stellen. Das mag der 66-Jährige nicht so, aber bei diesem Anlass kam er einer Ehrung nicht aus: 1000. Spiel als Cheftrainer in der DEL, das hatte noch keiner geschafft (Hans Zach ist Zweiter mit 825 Spielen, er war am Sonntag im Stadion). Einzigartig ist auch die Erfolgsbilanz des Amerikaners: Acht Deutsche Meisterschaften hat Jackson gewonnen, elfmal ist er im Finale gestanden. Die Nordkurve grüßte mit einem „Chapeau Mr Jackson“-Transparent, der Sportchef des EHC, Christian Winkler, hielt eine Rede. Kernsätze: „Du bist ein Mensch, den man gerne um sich hat. Du bist einer von uns – nur besser.“ Beide Mannschaften standen Spalier, als Jackson übers Eis federte, um seine Familie zu begrüßen. „Eine Überraschung. Ich wusste nicht, dass alle da sein werden“, sagte er.
4239 Menschen waren ins Eisstadion am Oberwiesenfeld gekommen – für ein Spiel zur Wiesn-Zeit, in der Eishockey nicht die oberste Priorität genießt, viel, für eine Partie gegen Mannheim, den großen Widersacher der vergangenen Jahre, ein bescheidener Besuch. Dabei hatten die Adler einige Hundertschaften Sympathisanten mitgebracht. Beide Seiten warteten nach missglücktem Auftakt (Mannheim hatte am Freitag sein Heimspiel gegen Schwenningen 1:2 verloren) auf den ersten Saisonsieg.
Die Mannheimer wirkten aktiver, verzeichneten nach zwei Dritteln fast doppelt so viele Torschussversuche wie München, waren aber im Abschluss nicht so gut wie der EHC, der selbst ein wenig staunte, als er in der 13. Minute mit dem erst zweiten Schuss durch Konrad Abeltshauser in Führung ging und in der 19. Ben Street zum 2:0 abstaubte. „Wir müssen an unser Spiel glauben“, forderte Mannheims Markus Eisenschmid von sich und den Kollegen in der ersten Drittelpause. Einen Münchner Wechselfehler nutzte David Wolf zum 1:2-Anschluss (23.), Matthias Plachta – ausgerechnet er, der Spieler, den Don Jackson in der DEL wohl am wenigsten leiden kann, weil er sich von ihm mehrmals betrogen fühlte – glich zum 2:2 aus (33.). Der EHC geriet unter Druck, Torwart Danny Aus den Birken, der den Vorzug vor Mathias Niederberger erhielt, hatte Glück bei einem Pfostenschuss (Wohlgemuth), der ihm an den Rücken sprang – doch bei einem Konter fiel das 3:2 für den EHC (38.). Durch Neuzugang Chris DeSousa, der kurz zuvor nach einem nicht geglückten Check in ärztlicher Behandlung gewesen war.
Mit Derek Redmonds Powerplay-Treffer zum 4:2 (50.) war die Sache gelaufen, zumal Mannheim immer undisziplinierter wurde. Besonders David Wolf, der im Frust Konrad Abeltshauser einfach mal den Schläger ins Gesicht haute und mit der Wertung „Hoher Stock“ (zwei plus zwei Strafminuten) noch glimpflich davonkam. Yasin Ehliz legte das 5:2 nach (58.). Es war Jacksons 652. Sieg.