München – Die Wiesn hat es schon mal besser gemeint mit dem FC Bayern. Zur Erinnerung: 2017 entließ der Club Carlo Ancelotti, heute durchaus erfolgreich bei Real Madrid unter Vertrag, nach einer 0:3-Niederlage bei PSG in der zweiten Oktoberfestwoche. 2018 ging es dann für einen gewissen Niko Kovac mit zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge durchaus kriselnd ins Käferzelt, ein Jahr später war keinen Monat nach dem Ende des größten Volksfests der Welt auch für den kroatischen Trainer Ende in München.
Und heuer? Zwang sich Julian Nagelsmann nach einer 0:1-Pleite beim FC Augsburg und damit insgesamt vier sieglosen Partien in der Bundesliga in Folge in die Tracht und machte für den Sponsor gute Miene zum bösen Spiel. Das Motto des Frusttrinkens auf der Theresienwiese: O’kriselt is!
Immerhin: Noch ist Nagelsmann die Gunst der Granden an der Säbener Straße sicher. Wer sich jedoch ein wenig mit der Trainer-Halbwertszeit beim Rekordmeister auskennt, der weiß, dass Analysen wie die von Hasan Salihamidzic nach dem Schwaben-Debakel durchaus alarmierender Natur für den Fußballlehrer sein sollten. „Ich bin schon ein wenig beunruhigt. So reicht das nicht, so kann man in der Bundesliga kein Spiel gewinnen“, sagte Salihamidzic und forderte: „Wir müssen gieriger sein!“ In den Zweikämpfen, wie beim Augsburger Siegtreffer durch Mergim Berisha (59.), als sich Leroy Sane von Vorlagengeber Iago übertölpeln ließ. „Wir haben brutale Probleme gegen Mannschaften, die gegen uns körperlich spielen und uns auf die Socken hauen“, stellte Salihamidzic verwundert fest.
Auch Oliver Kahns Worte tags drauf auf der Festwiese machten den Ernst der Lage deutlich. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, 14 Tage in die Analyse zu gehen und Gespräche zu führen, um dann gestärkt den nächsten Saisonabschnitt anzugehen.“ Mit Nagelsmann, der im Käfer am selben Tisch Platz nehmen durfte, wie die Bosse – und ähnlich bedient dreinblickte wie seine Vorgesetzten.
Die nackten Zahlen haben es schließlich in sich: Zwölf Punkte aus sieben Ligaspielen gab es zuletzt vor zwölf Jahren, am Ende der Saison stand der BVB ganz oben in der Tabelle. Vier sieglose Liga-Partien infolge gab es zuletzt vor 20 Jahren. Ottmar Hitzfeld hieß da der Münchner Trainer. „Es wird immer dunkler, das ist auch meine Gefühlswelt“, brachte es Wortführer Thomas Müller nach der Schmach beim FCA auf den Punkt. „Der Trend ist katastrophal, wenn man aus vier Spielen keines gewinnt.“ Salihamidzic schlug in dieselbe Kerbe: „Die Stimmung ist am Boden. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.“
Nagelsmann selbst wolle die Länderspielpause nun nutzen, um „meine Gedanken zu sortieren“. Und am besten auch direkt Lösungen zu finden, schließlich passen derzeit nicht nur die Resultate nicht, sondern auch die Leistung eines mit Superstars nur so gespickten Kaders. „Jetzt wird es erstmal eine ungemütliche Länderspielpause“, sagte Leon Goretzka voraus. Salihamidzic forderte mit Blick auf die nächste Partie am 30. September gegen Leverkusen: „Die Jungs müssen sich besser konzentrieren“. Das Duell steigt am letzten Wiesn-Wochenende. Nagelsmann ist also gewarnt.