Bayerns Negativserie

Nicht immer ist der Trainer schuld

von Redaktion

JOSÉ CARLOS MENZEL LÒPEZ

Der Fußball ist ein ungerechtes Geschäft. Läuft alles wie geschmiert, wird der Stürmer für seine Treffer, der Verteidiger für seine Grätschen oder gerne auch der Torhüter für seine Paraden mit Lob überhäuft. Siehe die Partie der Bayern am Samstag in Augsburg, wo Schlussmann Rafa Gikiewicz dank sensationeller Reflexe zum Matchwinner avancierte. Läuft es mal nicht, so rücken in einem aus über 20 hochbezahlten Superstars bestehenden Konstrukt selten einzelne Kicker in den Fokus. Gesucht wird das schwächste Glied, jenes, das als den Ursprung allen Übels ausgemacht werden kann und entbehrlicher als der jüngste Multimillionentransfer ist: der Trainer!

Vier sieglose Partien in Folge – sei es auch nur in der Bundesliga – bedeuten bei einem Club wie dem FC Bayern automatisch Gefahr für den Cheftrainer. Frag nach bei Carlo Ancelotti, der schon nach einer weitaus milderen Negativserie die Koffer in München packen musste. Dass der Trainerposten einem Schleudersitz gleicht, erfährt Julian Nagelsmann zum ersten Mal in seiner Karriere. Ist er in der Lage, eine mit internationalen Ballartisten und dementsprechend großen Egos gespickte Kabine zu moderieren? Ist seine Taktik angemessen? Und überhaupt: Ist ein 35-Jähriger nicht zu jung für so einen großen Club? Diese und viele andere Diskussionen werden nun – einige von ihnen wohl auch berechtigterweise – in der Länderspielpause angestoßen werden. Dass sich intern, so lässt es sich bei den jüngsten Aussagen der Bosse zwischen den Zeilen herauslesen, vieles auch um die Spieler drehen wird und muss, ist auch klar.

Siehe die Stürmerdiskussion, die seit dem Abgang von Robert Lewandowski dahinschwelt. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob ein Zielspieler im Sturm dem Spiel der Münchner mehr Zielstrebigkeit geben würde. Chancen hatten die Bayern gegen Augsburg jedoch genügend. Und wenn 21 Torschüsse nicht zum Torerfolg führen, dann geht das auf die Kappe der elf Spieler, die 21 Mal daneben schossen. Und wenn Leroy Sané beim Gegentor unter dem Ball hinwegtaucht, geht der Treffer auf seine Kappe – und nicht auf die von Nagelsmann. Die zweite Halbzeit gegen den FC Barcelona hat erneut gezeigt, dass die Bayern über einen taktisch fähigen Trainer verfügen. Die Frage der Fragen ist, warum die Spieler vier Tage später einen derartigen Leistungsabfall verbuchen. Daher ist es – zumindest aktuell – verständlich, dass sich Kahn & Co. hinter Nagelsmann stellen.

carlos.menzel-lopez@ovb.net

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