München – Sinnbildlich für die aktuelle Torgefahr des FC Bayern steht die Szene in der Nachspielzeit gegen den FC Augsburg. Manuel Neuer, seines Zeichens Torwart, schraubt sich nach einer Ecke im gegnerischen Sechzehner in die Luft, drückt einen Kopfball sehenswert gen Augsburger Tor, wo er in Rafa? Gikiewicz, ebenfalls Torwart, seinen Meister findet.
Es war die gefährlichste Chance der Münchner, die mittlerweile nicht nur mit einer handfesten Ergebniskrise, sondern auch mit der Leere zu kämpfen haben, die Rekordtorjäger Robert Lewandowski seit seiner Flucht zum FC Barcelona in der Offensive des Rekordmeisters hinterlassen hat. Der Pole traf beim zeitgleichen Sieg mit seinem neuen Klub gegen Elche (3:0) mal wieder doppelt – und war ob des anhaltenden Chancenwuchers seines neuen Klubs freilich in Augsburg einmal mehr Thema. Was Julian Nagelsmann zur Weißglut trieb.
„Was macht es, wenn ich jetzt ja oder nein sage“, entgegnete der Cheftrainer des FC Bayern auf die Frage eines Pressevertreters, ob seine Mannschaft nicht doch einen echten Mittelstürmer brauche. „Wenn ich jetzt nein sage, heißt es, er erkennt die Situation nicht. Wenn ich ja sage, heißt es, er vermisst Lewandowski“, so Nagelsmann weiter. Sportvorstand Hasan Salihamidzic fügte mit Blick auf die Sturmdiskussion an: „Warum sollen wir uns Gedanken machen, das Transferfenster ist geschlossen. Wir können das, wir haben auch Spieler dafür, die müssen das nur besser zu Ende spielen.“ Und eben nicht wie in Augsburg, wo die Bayern 21 Torschüsse in nichts Zählbares ummünzen konnten.
Thomas Müller sagte der Welt am Sonntag mit Blick auf Lewandowski bereits vor dem Spiel: „Es gab in dieser Saison schon einige Spielsituationen, in denen ich dachte: Oh, da stand doch früher einer, den du am zweiten Pfosten anspielen konntest und mit dem du bei Flanken den Blickkontakt gesucht hast.“ Die neue Situation sei für ihn allerdings auch „spannend“ und mit der Neuner-Diskussion kann Müller „gut leben“.
Sorgen bereitet allerdings nicht nur die Chancenausbeute, sondern auch der weiterhin unter den Erwartungen aufspielende Sadio Mané. Seit nunmehr fünf Spielen in Folge ist der Starneuzugang ohne Torbeteiligung. wirkt laut Sky-Experte Dietmar Haman wie „ein Fremdkörper“. Salihamidzic meinte: „Wir versuchen, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Auf dem Platz muss er das schon selbst machen. Er muss sich das nötige Selbstvertrauen holen und arbeiten.“ Auch Leroy Sané, Serge Gnabry, Thomas Müller und Jamal Musiala sind nur bedingt als Vollstrecker bekannt. Harry Kane aus Tottenham dagegen schon. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob einer wie er Neuer im Münchner Sturm entlasten könnte… lop