Siegen, schunkeln, schwelgen

von Redaktion

Stehauf-Mentalität und Rekordzahlen – die Löwen im sieben Wiesn-Himmel

VON ULI KELLNER

München – Aue am Freitag niedergerungen (3:1), Samstagfrüh noch ein kurzes Training an der Grünwalder Straße – pünktlich zum Anstich um 12 Uhr liefen sie dann auf der Wiesn ein, die Ehrengäste von Hacker-Pschorr: 1860-Trainer Michael Köllner und das Geschäftsführer-Duo Günther Gorenzel und Marc-Nicolai Pfeifer, alle in Tracht und bester Stimmung. „Sie waren natürlich sehr zufrieden“, berichtete Ex-Stadionsprecher Stefan Schneider, der selbst auf der Empore der neuen Bräurosl Platz nahm: „Ist ja klar, dass du gut drauf bist, wenn du als Tabellenführer auf die Wiesn gehst.“ Wann gab’s das schon mal in der Geschichte des TSV 1860?

Dass die Löwen während ihres Wiesn-Besuchs auf Platz zwei abrutschten, weil ihr Bezwinger Elversberg auch in Halle drei Punkte einfuhr (3:1) – geschenkt. Köllner hatte noch einen Abstecher ins Weinzelt geplant; unabhängig vom Trainer wollten sich auch Teile der Mannschaft unters Feiervolk mischen. Motto: Siegen, schunkeln, schwelgen – weil’s gerade so schön ist, ein Löwe zu sein.

Eine Drei-Tore-Gala des jungen Fynn Lakenmacher sorgte dafür, dass die Elversberg-Pleite (inkl. Schiedsrichter-Ärger) spätestens am Freitagabend, 21 Uhr, vergessen war. „Wir sind zurück in der Spur“, jubelte Köllner nach dem fünften Sieg im fünften Heimspiel: „Es ist wichtig, dass du im nächsten Spiel da bist, wenn du mal ein Spiel umgeworfen hast.“ Und wie seine Löwen da sind! Zahlen untermauern, dass Köllners Team im ersten Saisonviertel ein solides Fundament für Wiesn-Spaß und Aufstiegsträume gelegt hat.

Prost-Anlass Nummer 1): 22 Punkte nach neun Spielen – seit fünf Jahren hatte kein Drittligist mehr eine so gute Zwischenbilanz vorzuweisen. Paderborn, das 2017/18 auf diesen Wert kam, stieg am Ende mit 83 Punkten auf.

Zweitens: Vor einem Jahr hatten die Löwen nach neun Spielen halb so viele Punkte wie jetzt (elf) – und klopften am Ende trotzdem noch mal oben an. Damals wies 1860 ein Torverhältnis von 8:9 auf, jetzt stehen 22:11 Tore zu Buche – getoppt nur von den in jeder Hinsicht erstaunlichen Elversbergern (24:9).

Drittens: Es spricht für die Offensivwucht der Löwen, dass sich Köllners Team erneut anschickt, einen Toptorjäger der 3. Liga zu stellen. Lakenmacher, 22, bis vor zwei Jahren Defensivspieler, tritt in die Fußstapfen von Sascha Mölders und Marcel Bär, die am Ende mit 22 bzw. 21 Toren die Torjägerkanone abräumten. Köllner über den Junior-Ballermann, der nach seinem ersten Hattrick den Spielball mitgehen ließ, als Deko für seine Junggesellenwohnung: „Ich hoffe, dass er weiter Gas gibt und uns hilft, unsere Ziele zu erreichen.“

Apropos Ziele. Marco Hiller wertet es als gutes Zeichen, wenn man auch wenig glanzvolle Partien wie gegen das Schlusslicht Aue gewinnt. „Sch . . . egal, wie das Spiel gelaufen ist“, sagte der Torhüter: „Das war die beste Reaktion, die wir zeigen konnten. Wir haben unsere Arbeit erledigt. Jetzt können wir gescheit mit den Fans feiern.“ Und damit zurück auf die Wiesn. Dienstagabend gehen Hiller & Co. auf Einladung des Sponsors ins Hackerzelt. Danach sind zwei Testspiele geplant: Donnerstag in Wörgl gegen WSG Tirol (18.30 Uhr), Freitag beim SV Münsing-Ammerland (18 Uhr). Der Acht-Spiele-Endspurt vor der WM-Pause beginnt dann am letzten Wiesn-Samstag – mit dem Auswärtshit im Signal-Iduna-Park gegen Dortmund II.

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