Bayern-Krise auch in der Wohlfühloase

von Redaktion

Müller & Co. präsentieren sich gegen Ungarn erschreckend schwach

Leipzig/London – Das war also die zweite Niederlage in Folge – für die Spieler des FC Bayern. Sie bilden das Gerüst der Nationalmannschaft und stellen auch dann noch den größten Block, wenn Manuel Neuer und Leon Goretzka wegen ihrer positiven Corona-Tests fehlen. Da war immer noch ein Joshua Kimmich, der bis auf zwei Distanzschüsse wenig zu bieten hatte, ein Thomas Müller, der die beste deutsche Chance nicht verwerten konnte, ein Leroy Sané, der den Eindruck erweckte, man müsse ihn zum Jagen tragen, und ein Serge Gnabry, der phasenweise über die eigenen Füße stolperte.

Als fünfter Bayern-Akteur kam per Einwechslung Jamal Musiala dazu und erlebte das 0:1 des DFB gegen Ungarn mit, das sich für die Münchner Fraktion an das 0:1 in Augsburg anschloss (dem in der Bundesliga drei Unentschieden vorangegangen waren). Und obwohl er sich da nicht ausnehmen durfte, analysierte Thomas Müller klar: „Bei vielen hat man gemerkt, dass die Phase im Verein nicht die leichteste ist.“

Am deutlichsten bei Serge Gnabry, dessen guter Saisonstart nach der für ihn erlösenden Klarheit der Vertragsverlängerung in München verpufft ist. Infolge einer Verletzungsunterbrechung hat er beim FC Bayern den Stammspieler-Status verloren; die Chance, ohne Robert Lewandowski zum Torjäger des Teams aufzusteigen, kann er so nicht realisieren. Beim DFB erfuhr er nun das Vertrauen des Trainers, doch Hansi Flick musste es ihm zur Halbzeit entziehen. Und aus Flicks Einschätzung „der schlechtesten Halbzeit seit Langem“ und dem nachfolgenden „Die Spieler, die in der zweiten Halbzeit auf dem Platz standen, haben es verdient, dabei zu sein“ muss Gnabry schließen, dass er von seinem Standing eingebüßt hat.

Joshua Kimmich will die These nicht gelten lassen, dass Vereinsstimmung mit ins Nationalteam genommen wird: „Jeder sollte mit einem gewissen Selbstvertrauen auf den Platz gehen, denn jeder hat Qualität.“ Bei ihm sei es „immer so, dass ich dass letzte Spiel abhaken und voller Selbstbewusstsein ein neues beginnen kann“.

Eine Hoffnung war ja gewesen, dass Hansi Flick, vertraut mit den Bayern-Seelen, seine ehemaligen Vereinsschützlinge gesund streicheln würde. Oft schon war eine DFB-Woche wie ein Kuraufenthalt gegen den Club-Stress. Diesmal nicht. In die Nationalmannschafts-Pressekonferenzen schmuggelte sich unablässig das Thema Bayern-Krise. DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagte: „Ich sehe nicht, dass da gerade eine Mannschaft auseinanderfällt.“ Die Formulierung des Szenarios war – auch wenn er es für ein unwahrscheinliches hält – erstaunlich drastisch.

Hansi Flick räumte bei der Einstufung eines Bayern-Spielers einen Fehler ein, beim „tollen Fußballer Jamal“. Warum er Musiala erst für eine (späte) Einwechslung vorgesehen hatte, konnte der Bundestrainer nicht erklären, räumte aber ein: „Gegen eine Mannschaft, die kompakt steht und tief verteidigt wie Ungarn, hätte er mit seinem gewissen Etwas schon gepasst.“

GÜNTER KLEIN

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