DFB in Katar

Weltmeister? Wird nichts!

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Klar, wenn eine deutsche Nationalmannschaft zur Fußball-WM fährt, muss sie sagen: „Wir wollen Weltmeister werden, wir wollen den fünften Stern.“ Sie kann nicht sagen: „Viertelfinale wäre schön“, denn wenn sie es verlöre, wäre das ganze Land erzürnt und würde dem Team unterstellen, satt zu sein. Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn Trainer, Manager, Spieler sich mit dem WM-Finale am 18. Dezember beschäftigen.

Nur: Die Deutschen werden nicht Weltmeister. Die Außenperspektive befreit einen davon, in die Parolen einstimmen zu müssen, das Unbeteiligtsein lässt eine nüchterne Wahrnehmung zu. Sie lautet: Es fehlt schlicht am Potenzial dafür.

Der DFB-Optimist mag an dieser Stelle auf die zahlreichen Nationalspieler verweisen, die in den vergangenen Jahren Champions-League-Sieger geworden sind. In der Tat ja einige: Die meisten der Bayern 2020, drei Deutsche mit Thomas Tuchels FC Chelsea 2021. Da müsste selbst ohne Toni Kroos (Real Madrid, 2022, aber aus dem Nationalteam zurückgetreten) genügend Erfolgserfahrung in der Mannschaft von Hansi Flick, selbst Europa-Champ gewesen vor zwei Jahren, stecken.

Dem Optimisten muss man aber entgegenhalten: Es hatten ein paar nicht-deutsche Spieler immensen Anteil an den Vereinserfolgen, und was nützt es dem Timo Werner des Jahres 2022, dass er mit Chelsea die wichtigste Trophäe gewann, wenn er ein Jahr später im Grunde perspektivlos zu dem Verein zurückkehren muss, der ihm vor Kurzem noch zu klein geworden war? Und wenn man auf seine Offensiv-Kollegen beim DFB, auf Leroy Sané und Serge Gnabry, blickt: Wo ist bei ihnen die nachhaltige Entwicklung, wo die Konstanz?

Um Weltmeister zu werden, muss alles passen. Wie 2014. Das Team war gewachsen aus U 21-EM 2009 und WM 2010; fast alle hatten das beste Alter, fast jede Position eine logische und keine Not-Besetzung, Davon kann nun wirklich keine Rede sein. Plus: Die letzten Turniere (WM 2018, EM 2021) misslangen – die jetzige Generation hat einen Makel.

Hansi Flick ist ein guter Trainer, engagiert, planvoll, erfahren, die beste Lösung – eine klare Verbesserung gegenüber Joachim Löw in seiner Endphase. Doch die Resultate in der Nations League, in der die Gegner eine andere Gewichtsklasse haben, relativieren den souveränen Siegeszug in der leichten WM-Qualifikation.

Die Hilflosigkeit beim Spiel gegen Ungarn weckte ungute Erinnerungen an die 2018er-Begegnungen mit Mexiko und Südkorea und auch an das Gerade-noch-2:2 gegen eben jene Ungarn 2021 in München. Da könnte der WM-Auftakt gegen Japan heikel werden. In Katar die Vorrunde zu überstehen, das muss das Ziel sein. Und dann kann man ja mal sehen.

günter.klein@ovb.net

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