Kailua-Kona – Die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii wird sogar für Berufstriathleten zur heiklen Kostenfrage. „Gerade viele Profis verdienen mit ihrem Sport nicht soviel Geld, dass das aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn machen würde, hier in Hawaii zu starten“, sagt Sebastian Kienle . Der 38-Jährige aus Mühlacker trat 2012 zum ersten Mal bei der WM auf Hawaii an, 2014 gewann er den Titel und leitete eine deutsche Ära ein.
„Man sollte schon unter die ersten Zehn kommen, um die Kosten zu decken“, betont er mit Blick auf die in diesem Jahr noch mal deutlich gestiegenen Ausgaben. Die Flüge sind teurer geworden, vor allem aber sind die Unterbringungskosten in die Höhe geschossen. Die Inflation ist ein Grund, es gibt aber mehrere.
Hinzu kommt beispielsweise, dass sich die Zahl der qualifizierten Triathletinnen und Triathleten erhöht hat, was an den Absagen der WM-Rennen auf Hawaii 2020 und 2021 liegt. Erstmals wird es daher zwei Rennen – am 6. Oktober unter anderem mit den Profi-Frauen und am 8. Oktober mit den Profi-Männern – geben. Die Nachfrage ist also noch mal gestiegen, und das bei einem Angebot auf begrenzten Raum auf einer Insel.
„Es stellt schon ein gewisses Risiko dar, gerade für junge Athletinnen und Athleten, die Hawaii als Bühne nutzen müssen, aber am Ende unter Umständen mit einem ganz schön großen Verlust dastehen könnten“, sagt Kienle.
Der Frust unter den Athletinnen und Athleten sei enorm, sagt Jan Sibbersen, selbst einst Teilnehmer, mittlerweile Unternehmer und Betreiber des Deutschen WM-Hauses in Kailua-Kona. „Für viele Triathleten ist Hawaii ein Lebenstraum. Jetzt schafft man diesen vielleicht sportlich, kann es sich dann aber finanziell nicht leisten hin zu fliegen – das ist bitter“, sagt Sibbersen mit Blick auf die vielen Altersklassenstarter.
Diese müssen nach der Qualifikation bei einem anderen Ironman-Rennen erstmal knapp 1100 Euro bezahlen, um ihren Start auf Hawaii auch zu bestätigen. Dazu kommen dann noch die Reisekosten (mehrere tausend Euro). „Es war schon davor ein Sport eher für Privilegierte, und die Hawaii-Teilnahme können sich eigentlich nur noch sehr privilegierte Athleten leisten“, sagt Kienle.