München – München gegen Berlin – dieses Spiel steht am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr) auf dem DEL-Terminplan. Es war die Finalpaarung der Vorsaison, die Eisbären gewannen die Serie mit 3:1. Danach wechselte ihr Torhüter Mathias Niederberger nach München und in die umgekehrte Richtung Stürmer Frank Mauer (34) nach sieben Jahren EHC zum Meister Berlin.
Frank, am Sonntag gab es in Berlin ein spektakuläres Spiel. Die Löwen Frankfurt machten einen 0:4-Rückstand wett und erreichten mit einem 4:4 die Verlängerung. Auf Berliner Seite herrschte wenig Freude, Sie wirkten im Interview – entschuldigen Sie die Wortwahl – angepisst.
Das trifft’s, und es kommt bei mir nicht häufig vor, dass ich Verärgerung nach außen zeige. Aber das ging nicht anders. Wir haben am frühen Nachmittag gespielt, doch ich war noch den ganzen Abend sauer und den nächsten Morgen, sodass meine Frau mich fragte: „Ist es immer noch wegen des Spiels?“ Das war unnötig, keine Frage, aber wir müssen es abhaken. Und wir haben in der Verlängerung ja noch gewonnen.
Das Meisterteam hat einige Eingriffe hinnehmen müssen. Läuft es deswegen noch nicht rund?
Vom Team her sind wir generell gut aufgestellt, wir haben aber noch nicht über jeweils 60 Minuten unsere Leistungsfähigkeit abgerufen und so gegen Wolfsburg bitter verloren oder es in Nürnberg, wo wir klar besser waren, versäumt, die Tore zu machen. Trainiert ist alles zur Genüge, es geht um das Mindset. Momentan ist es Kopfsache, wir haben noch Luft nach oben.
Bei der Torhüterbesetzung geht Berlin einen ungewöhnlichen Weg – mit drei sehr jungen Leuten. Tobias Ancicka ist 21, Juho Markkanen 20, Nikita Quapp 19. Ein Problem?
Torhüter sind die letzte Instanz. Für ihr Alter sind sie gut, manchmal aber hilft auch Erfahrung. Die Resultate lagen sicher nicht an ihnen, doch sie müssen sich beweisen.
Wie hat es Sie eigentlich nach Berlin verschlagen? Nachdem klar war, dass es mit dem EHC und Ihnen nicht weitergeht, wurde über einen Wechsel zu Ihrem alten Club Adler Mannheim spekuliert.
Ich wollte erst einmal überlegen, in welche Richtung es gehen soll, auch familiär, wir haben drei Kinder. Dann ergab sich aber zügig das mit Berlin. Wenn der Deutsche Meister fragt, ist das eine Ehre. Ich war sofort Feuer und Flamme. Berlin ist generell eine historische Stadt, die Eisbären sind tief im Osten verwurzelt, das hat was, und sie haben ihren festen Platz in der Stadt.
Sie spielten am Sonntag in der zweiten Reihe mit Matt White, der das vierte Finale mit drei Treffern entschied, und Peter Regin, dem NHL-erfahrenen dänischen Routinier. Ist Ihre Rolle im Berliner Team eine größere als zuletzt beim EHC?
Man hat mir gesagt, ich sei für die dritte Reihe eingeplant und könne also auch noch Unterzahl spielen – aber dass das Ideen auf dem Reißbrett sind und nichts in Stein gemeißelt ist. Das fand ich charmant. Ich kann in einem Top-Team eine gute Rolle haben, und je älter ich werde, desto stärker merke ich, was mir wichtig ist: zu gewinnen. Ich habe einen Riesenspaß in Berlin.
Sie erleben aus der Nähe ja auch Historisches mit: Frank und Eric Hördler, 37 und 18 Jahre alt, Vater und Sohn in einem Team.
Frankie hat auf diese Konstellation jahrelang hingearbeitet. Er ist ein unglaublich verdienter und respektierter Spieler. Und sein Sohn ein ganz lieber Junge, bodenständig und talentiert. Er hat auch eine gute Karriere vor sich.
Am 4. Oktober hat Berlin noch einen Sondertermin: Es geht gegen die San Jose Sharks aus der NHL.
Das ist immer eine schöne Geschichte, sich mit Spielern messen zu können, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Ich hatte allerdings mit Mannheim schon zweimal die Gelegenheit. Wir haben gegen San Jose und St. Louis gespielt.
Wenn Sie von Heimat sprechen, meinen Sie Mannheim?
Mannheim. Heidelberg, meine Frau und ich sind von dort, wir haben ein Eigenheim gekauft und würden sagen: Das ist, wo wir zu Hause sind. Aber auch hier gilt: Für die Zukunft ist nichts in Stein gemeißelt.
Es kommt mal eine Zeit nach dem Eishockey. In München haben Sie nebenbei studiert.
Ja, Interntionales Sportmanagement. Ich wollte was Fundiertes haben. Vielleicht werde ich in diesem Bereich beruflich mal tätig sein. In den letzten eineinhalb Jahren bin ich nicht dazugekommen: Corona kam, dann unser drittes Kind. Doch nachdem alle Kurse abgeschlossen sind, schreibe ich im Winter endlich meine Bachelorarbeit.
Interview: Günter Klein