Mit Flexibilität zurück zum Titel

von Redaktion

Bayerns Basketballer bauten auf den deutschen Positionen um – das soll sich im nationalen Betrieb auszahlen

München – Dass das Sommermärchen der deutschen Basketballer auch seine Schattenseiten hat, hat man auch beim FC Bayern kennenlernen müssen. Die beiden Münchner Bronzehelden Nick Weiler-Babb und Andreas Obst kehrten erst vor einer Woche ins Münchner Teamtraining zurück. Bei der jähen Rückkehr in den Alltag ist es vermutlich nur ein kleiner Trost, dass sie andernorts noch etwas jäher ist.

Meister Alba Berlin muss schon am Mittwoch (19.00 Uhr/Magentasport frei empfangbar) gegen die Hamburg Towers die neue Saison der BBL eröffnen. In München darf man immerhin noch drei Tage üben ehe es am Samstag (18.00 Uhr) gegen Südrivale Ulm ernst wird. Doch Bayerns Basketball-Chef Marko Pesic kündigte an: „Unsere Mannschaft muss sich noch entwickeln.“

Klar ist allerdings: Am Ende soll nach dreijähriger (nationaler) Berliner Vorherrschaft unbedingt wieder die deutsche Meisterschaft stehen. Und dass das so ist, haben auch die Münchner Transferbemühungen dieses Sommers gezeigt. Denn das Bayernteam 2022/23 hat vor allem auf den deutschen Positionen ein neues Gesicht.

Dauer-Bayer Nihad Djedovic und Leon Radosevic sind nicht mehr da. Dafür holte der Münchner Kaderplaner Daniele Baiesi Routinier Elias Harris, Niklas Wimberg und auch NBA-Juwel Isaac Bonga an Bord. Auch der eingebürgerte Weiler-Babb firmiert bei den Bayern nun als deutscher Profi. Dazu baut man unter anderem auf EM-Lichtblick Obst und Paul Zipser, der nach ansehnlicher Vorbereitung wieder auf eine stärkere Rolle als im Vorjahr hoffen darf.

„Die Deutschen waren unser Hauptansatzpunkt in diesem Sommer“, sagte auch Trainer Andrea Trinchieri. Wobei es den Münchner Verantwortlichen gar nicht so sehr darum geht, ob die deutschen Profis nun besser sind als das Vorjahresmodell. Man setzt auf Vielseitigkeit. Spieler wie Harris, Bonga oder Weiler-Babb sind allesamt auf mehreren Positionen einsetzbar. „Das wird unsere Möglichkeiten in dieser Saison erweitern“, sagte Trinchieri. Denn sicher ist: Die Bayern wollen weg von der Tendenz der Vorjahre als man für die starken Auftritte in Europa im heimischen Betrieb bitter bezahlte. 2020/21 kassierte man zehn, im Vorjahr neun Pleiten in der BBL-Hauptrunde – nicht zu vergessen das vorzeitige Aus im Pokal. Es war letztlich der Anfang vom Ende für die Münchner Meisteroptionen. Am Ende kassierte man zwei 1:3-Finalniederlagen gegen Berlin. So dass auch Pesic nun sagt: „Meine Priorität ist auf der Liga.“

Viel wird sicherlich davon abhängen, ob die Münchner gesundheitlich besser durch die Saison kommen als etwa durch die letzte, die ja bereits mit einer ersten Corona-Welle begann. Beim Auftaktspiel gegen Ulm (!) blieben acht Akteure außen vor, der neue Kapitän Vladimir Lucic konnte sogar erst nach einem Monat erstmals ins Geschehen eingreifen.

Vergleichbares dürfte den Bayern, die am vergangenen Wochenende mit einem Turniersieg in Italien auch die Generalprobe gut überstanden, wohl fürs Erste erspart bleiben. Sicher passen muss gegen Ulm nur Isaac Bonga, doch der Neuzugang, der mit gerade 22 Jahren schon 143 NBA-Partien zu Buche stehen hat, hat nach seiner Sehnenverletzung im Fuß immerhin bereits mit dem Teamtraining begonnen – seine Premiere im Bayern-Trikot dürfte sicherlich auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. PATRICK REICHELT

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