Sechs Trainings – dann ist WM

von Redaktion

Flick: „Vertraue Mannschaft zu 100 Prozent“

London – „Sonntag Treffpunkt, Montag Flug, Dienstag Training, Mittwoch Spiel gegen Oman, Donnerstag Flug nach Katar.“ Das ist der Plan, den Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff für den 13. bis 17. November auflistet. Hansi Flick hat auch alles vorausberechnet. Bis zum deutschen WM-Auftaktspiel „werden wir sechsmal Training haben“. Es kann aber schnell mal eine Einheit wegfallen. Spontan hat Flick zuletzt so vorige Woche in Frankfurt entschieden, als er merkte, wie strapaziert einige Spieler waren. Wichtiger erschienen ihm da theoretische Einheiten. In den kommenden paar Wochen werden noch acht Bundesliga-Spieltage und vier Runden internationales Club-Geschäft durchgepeitscht. Genügend Stoff – und Bundestrainer Flick fordert darüber hinaus, „dass jeder Nationalspieler individuell an sich arbeitet“. Denn das klassische Trainingslager, das immer auch Lagerfeuerromantik entwickelte und die Geschichte von einer Gruppe erzählte, die zur Einheit wird, kann es für die WM 2022 nicht geben.

„Ich vertraue dieser Mannschaft zu hundert Prozent“, hat Flick gesagt. Das 3:3 gegen England mit seinen schwachen Phasen hat daran nichts geändert. Auch wenn Flick klar ist, „dass es bei einer WM tödlich sein kann und es schnell vorbei ist, wenn man drei Gegentreffer kassiert“, hat er auch Erfreuliches registriert: die Entwicklung von Jamal Musiala etwa. „Jamal hat den Elfmeter rausgeholt und Räume geöffnet. Das 2:0 entsprang auch aus seinem Ballgewinn.“

Zudem habe Kai Havertz mit zwei Toren „eine gute Visitenkarte abgegeben. Er ist einfach ein herausragender Fußballer, elegant und torgefährlich.“ Und Serge Gnabry, am Freitag gegen Ungarn auffallend schwach, habe sich als in Wembley aus dem Tief gearbeitet: „Er hat sich mit seinem Schuss ein Herz genommen.“ Havertz konnte zum 3:3 abstauben, das der Mannschaft fundamentale Diskussionen ersparte.

Flick glaubt, wenn er die 26 Spieler erst einmal nominiert habe, werde auch „der Druck abfallen. Dann hat jeder sein Ziel erreicht und kann frei aufspielen“. Gegen Ungarn habe er schon bemerkt, „wie einige Angst vor Fehlern hatten und ohne Überzeugung gespielt haben“. Was Flick jetzt noch klären muss: Holt er sich aus dem Bundesliga-Reservoir einen bislang noch nicht berücksichtigten Stoßstürmer für die besonderen Momente? Wird der Dortmunder Marco Reus gesund und fit – und welche Rolle könnte er übernehmen? Soll er nach vier Gegentreffern in den vergangenen zwei Spielen über Mats Hummels vom BVB, das alte Schlachtross, nachdenken? Kommt in die Causa Mario Götze noch einmal Schwung? Was zeigt Julian Draxler bei Benfica Lissabon? Und auch: Wie soll ein System aussehen, das Platz für Musiala und Thomas Müller bietet? Er will den Jungstar fördern, aber von der Routine des Alten profitieren.

„Bei Bayern München geht es ja auch mit beiden“, sagt Flick. Er wird sich bei all seinen Spielern melden. Regelmäßig. Bis zum 13. November.  gük

Artikel 7 von 11