München – Der Bayerische Defiliermarsch wurde am Freitagabend schon gespielt, als man noch nicht wissen konnte, ob er wirklich angebracht ist. So ein Wiesn-Heimspiel des FC Bayern kriegt halt einen würdigen Rahmen, also: Tracht, Blaskapelle, gute Laune – Krise hin oder her. Dass es bereits zur Halbzeit gegen Bayer Leverkusen 3:0 und am Ende 4:0 stand – und der Abend als bayerischer Festabend im Gedächtnis blieb –, passte dann freilich bestens zur Dramaturgie. Und schmeckte auch dem unter Druck stehenden Trainer Julian Nagelsmann noch besser als eine kühle Mass Bier.
Eine Antwort war nach den vier sieglosen Spielen in der Bundesliga erwartet worden – eine Antwort kam von der Offensivreihe um den überragenden Jamal Musiala. Leroy Sané (3.), Musiala selbst (17.) und Sadio Mané (39.) machten gegen die absolut harmlose Werkself schnell alles klar, Müller sorgte für den Schlusspunkt (84.). Der erste Liga-Sieg seit dem dritten Spieltag bringt allen Beteiligten für den Marathon bis zur WM die nötige Ruhe und macht Hoffnung auf die Aufholjagd.
Nagelsmann hatte in den vergangenen Wochen im Fokus gestanden, er tat es natürlich auch gestern Abend vor 75 000 Zuschauern in der herbstlich kalten Allianz Arena. Gleich zwei Mal hatte der 35-Jährige den Reißverschluss seiner Daunenjacke schon geöffnet und wieder geschlossen, als er in seiner Coaching Zone auf den Anpfiff wartete. Auch als der Ball dann endlich rollte, sah man ihm die Nervosität an. Ein Sieg war Pflicht, das wusste auch die Elf, die er auf den Platz geschickt hatte. Im Vergleich zum 0:1 in Augsburg rückten Marcel Sabitzer und Benjamin Pavard rein, während Leon Goretzka und Noussair Mazraoui auf der Bank Platz nehmen mussten.
Die im Wiesn-Trikot gekleideten Bayern hatten von Beginn an Zug zum Tor, wahrlich befreit aber spielten sie erstmal nicht auf. Ballbesitz und vor allem die Erkenntnis, dass vom Tabellen-15. Leverkusen wirklich nahezu nichts kam, brachten Selbstvertrauen und Mut, dazu sah man gnadenlose Effizienz. Direkt mit dem ersten Angriff ging die Nagelsmann-Elf in Führung. Musiala wurde über den rechten Flügel geschickt, hatte das Auge für den freien Sané, der aus zwölf Metern drauf hielt. Beim abgefälschten Rechtsschuss hatte Keeper Lukas Hradecky keine Chance – und nicht nur Nagelsmann hüpfte vor Freude.
Der Zug nach vorne ging aus allen Reihen aus. Joshua Kimmich agierte diesmal als starker Regisseur, selbst aus der Abwehrkette kamen lange Bälle, die vier Offensiven harmonierten. Musiala spielte sich nach einem Doppelpass mit Müller frei und erwischte Hradecky mit seinem flachen Schuss aus halbrechter Position auf dem falschen Fuß – das 2:0 ging auch auf die Kappe des Torhüters. Den Bayern, deren Schlussmann Manuel Neuer in der 34. Minute das erste Mal eingreifen musste, war das egal. 2:0 – und weiter ging es. Als Leverkusen gerade mutiger wurde, machte Mané mit seinem ersten Treffer seit 21. August alles klar. Bedient von Musiala schloss er aus 16 Metern selbst ab. Erleichterung bei ihm, dem Team, der Bank.
Nach der Pause zog sich Leverkusen zurück, die Bayern hingegen hatten Lust. Hradecky parierte (55.), ein Mané-Treffer nach überragendem Musiala-Dribbling zählte nicht (56.). Beinahe wäre Moussa Diaby der Anschluss gelungen, aber Neuer war da. Müller nutzte einen Hradecky-Patzer zum Finale – mit Pauken und Trompeten.