Es wird ernst für die Basketballer des FC Bayern. Am Samstag (18 Uhr) geht es gegen Ulm erstmals um Punkte für das Team, das erfolgreicher werden soll als das Vorjahresmodell. Sportchef Daniele Baiesi erklärt, welchen Weg er im Sommer verfolgte.
Ihr Trainer Andrea Trinchieri sagte, er hätte die Arbeit Ihnen überlassen. Das klingt nach einem bewegten Sommer.
(lacht) Das ist es, wie wir arbeiten. Er sagt mir, was er braucht, und ich komme mit Optionen. Wobei wir in diesem Jahr einen sehr klaren Plan hatten. Freddie Gillespie etwa war schon lange unser Hauptziel. Bei ihm habe ich es im Prinzip schon im letzten Sommer versucht. Aber manchmal ist es so, dass solche Spieler erst merken müssen, dass ihr Weg so in der NBA nicht funktioniert. Und dass Europa für sie eine Türe ist, durch die es sich lohnt zu gehen. Auch Cassius Winston war unser vorrangiges Ziel. Wir haben erreicht, was wir wollten.
Zumindest in der Euroleague ist ihr Vorgehen ungewöhnlich. Zwei US-Verpflichtungen ohne Europa-Erfahrung…
… wer macht so etwas? Niemand macht so etwas. Aber man muss auch sagen, dass es selbst in den niedrigeren Wettbewerben wie dem Eurocup Mannschaften gibt, die weit mehr auf den Tisch legen können als wir. Und das auch tun. Da musst du andere Wege gehen. Wobei man auch sagen muss, dass in der Vergangenheit vermeintlich große Personalien oft nicht funktioniert haben. Während es mit Leuten, die etwas zu beweisen haben, umso besser funktioniert hat. Wade Baldwin vor zwei Jahren war das beste Beispiel. Ich glaube, wir sind ein sehr guter Verein, wenn es darum geht, Talent zu maximieren.
Eine große Personalie des Vorjahres war Darrun Hilliard. War es jemals ein Thema, ihn zu halten?
Nein. Darrun hat so viel Pech gehabt im letzten Jahr. Er hat sich nie in die Mannschaft einfinden können, weil er die Zeit nicht hatte. Erst war er verletzt, dann hatte er Corona, dann war er wieder verletzt. Aber er hat ein äußerst gutes Angebot von Maccabi Tel Aviv bekommen. Das ist auch für ihn ein gute Lösung.
Weit näher soll der Verbleib von Deshaun Thomas gewesen sein – er wechselte nach Mailand.
Auch er war nie ein Thema. Wir hatten ihn im letzten Jahr geholt, weil wir nicht wussten, wie sich Paul Zipser entwickelt. Wir wollten jemanden, der für oder auch mit Paul spielen kann. Aber die Situation ist eine andere, wir haben gemerkt, dass wir eine anderes Setup brauchen.
Zipser soll jetzt in der letzten Phase seines Comebacks sein. Überhaupt kam viel Bewegung auf die deutschen Positionen.
Gerade einen Spieler wie Nihad Djedovic abzugeben, ist natürlich verzwickt. Ein Spieler, der so lange da war, der so viel für den Verein geleistet hat. Mit jemandem wie ihm kannst du bestimmte Sachen nicht machen. Du kannst nicht hingehen und sagen: Schau, du hast so wenig gespielt, wir können dir nur noch 50 Prozent bezahlen. Er hat ein tolles Angebot aus Malaga bekommen, wo er mit dem Status eines einheimischen Spielers spielt. Was für ihn nur gut ist. Und, na ja, ich denke, es gibt schlechtere Plätze zum Leben als Malaga.
Aber sehen Sie sich bei den Deutschen besser aufgestellt?
Ich denke, wir sind in der Rotation tiefer. Da kommt natürlich auch Nick dazu (Weiler-Babb, d.Red.), mit dem wir uns zum Glück schon früh einigen konnten. Mit dem deutschen Pass gewinnt er natürlich gerade in Spanien enorm an Wert. Aber wir haben ihn jetzt zwei Jahre bei uns. Im nächsten Sommer könnte er nur in die NBA wechseln – wenn er einen garantierten Vertrag bekommt. Wir haben das Geld besser angelegt. Denn das ist natürlich ein Faktor für uns. Vor Kurzem hat mich ein Journalist gefragt, warum wir Johannes Voigtmann nicht verpflichtet haben. Wissen Sie, was er verdient? Ich habe es ihm gesagt. Er meint: Na und? Ich hole für dieses Geld fünf Amerikaner. Da kann ich nur sagen: Diese Leute hören zu viel auf das, was andere sagen. Was aus Berlin kommt über Geld, Budget…
Alba-Manager Marco Baldi betont regelmäßig Ihre finanzielle Sonderstellung.
Ja, regelmäßig, doch damit befassen wir uns in München wirklich nicht mehr. Abgesehen davon, dass ich mir fast sicher bin, dass Spieler wie Luke Sikma oder Maodo Lo nicht gratis spielen und dass nicht wir Oscar da Silva im letzten Jahr aus Ludwigsburg herausgekauft haben. Aber nochmal, wir schauen auf uns und überhaupt: Was bringen Diskussionen über Geld? Das funktioniert immer nach einem Muster.
Welchem?
Wenn Sie eine Million Euro für einen Weltstar ausgeben, dann ist es egal, ob das funktioniert oder nicht. Niemand wird viel sagen. Wenn Sie aber einen Euro für einen unbekannten Spieler ausgeben und der spielt dann schlecht, wird Ihnen dieser Euro wochenlang vorgehalten.
Was eigentlich ein gutes Argument gegen Spieler wie Cassius Winston wäre…
Das werden wir sehen. Ich glaube, dass wir keinen Spieler hätten finden können, der besser in das gepasst hätte, was wir brauchen. Wir wollten einen Spieler, der das Spiel führen, aber auch auf der Position zwei spielen kann. Und das ist er. Ich bin sehr zuversichtlich.
Viel Zeit bleibt allerdings nicht.
Ja, aber ich hoffe sogar, dass er nicht zu schnell zu gut wird. Es wäre gut, wenn wir diesmal hinten raus am besten wären.
Interview: Patrick Reichelt