Blutige Nase inklusive

von Redaktion

EHC-Talente Lutz und Szuber aus NHL-Camp zurück – 3:1 gegen Ingolstadt

VON GÜNTER KLEIN

München – Voller Lauf – und stopp. So begann für Julian Lutz, 18, das Spiel gegen den ERC Ingolstadt. Der gegnerische Verteidiger Colton Jobke wuchtete dem jungen Münchner Stürmer die Schulter gegen den Kopf. Matchstrafe für Jobke, kurze Auszeit für Lutz in der Kabine. „Die Nase hat geblutet“, sagte er, „mit dem Kopf war alles in Ordnung.“ Er konnte schnell zurückkehren aufs Eis – in ein enges und hartes Spiel, das München 3:1 gewann (Tore: Hager, DeSousa, Boyle). Auch Lutz selber musste auf die Strafbank, im zweiten Drittel war es, als er aggressiv wurde und einen Ingolstädter anging. „Da lag Jon Blum auf dem Eis, und es wurde viermal auf ihn eingeschlagen. Da muss ich doch für meinen .team mate’ einstehen.“

Team mate heißt Mannschaftskollege, im deutschen Eishockey ist Englisch Amtssprache, und Lutz war die vergangenen zwei Wochen drüben gewesen in Amerika. Von dort hat er diese Einstellung mitgebracht: Zusammenstehen, für den anderen ins Feuer gehen – auch wenn der wie Blum 13 Jahre älter ist.

Lutz war wie Maksymilian Szuber, sein Münchner team mate aus der Verteidigung, in einem NHL-Camp. Genauer gesagt in zweien. Beide EHC-Spieler wurden im Sommer von den Arizona Coyotes gedraftet und nun angetestet. Erst im „Rookie Camp“ mit anderen jungen Spielern, dann im richtigen, wo sie auf etablierte Akteure trafen. Ihr Trainer in München, Don Jackson, musste fünf Partien auf sie verzichten. Das U 20-Camp erachtete er als nicht so wertvoll für die Entwicklung, „denn da geht es nur ums Puckhandling und nicht um den defensiven Part des Spiels – es ist aber der härteste Teil, ein solides Zwei-Wege-Spiel zu erlernen.“

Nach den Rookie-Tagen wurden Szuber und Lutz ins offizielle Coyotes-Camp hochgezogen – allerdings ohne realistische Chance, in den NHL-Kader zu gelangen. Um die gut zwanzig Plätze rivalisierten sechs Torhüter, 17 Verteidiger, 29 Stürmer. Lutz berichtet: „Da traf man auf NHL-Stars, die einem wertvolle Tipps gegeben haben.“ Eine interessante Erfahrung war der Mix aus Konkurrenzkampf und Kooperation: Jeder will auf sich aufmerksam machen, „aber die Reihen müssen auch funktionieren“. Szuber und Lutz durften in einem Testspiel der Arizona Coyotes mitwirken – „und das“, so Don Jackson, „hat sie sehr glücklich gemacht“. Ihn wiederum stimmt froh, „dass wir sie zurückhaben, wissen, dass sie nirgendwohin gehen und wir mit ihnen planen können.“ Dass der Weg von Lutz und Szuber in die NHL führen wird, davon geht man beim EHC aus – doch nun weiß der Club, dass das frühestens 2023/24 der Fall sein wird.

Vor allem die Laufbahn von Lutz ist auf die NHL ausgerichtet. Er will sich nun eine gute Rolle im Münchner Team erarbeiten, „Schritt für Schritt“. Und manchmal mit blutiger Nase.

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