Krisen-Killer Königsklasse?

von Redaktion

Bayern wollen schlechte Phase gegen Pilsen endgültig hinter sich lassen

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Seine erste Krise als Cheftrainer des FC Bayern hat Julian Nagelsmann (35) lässig durch einen 4:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen abgeschüttelt. Nun gilt es, die Kritiker mit einem weiteren Triumph am Dienstag in der Champions League gegen Viktoria Pilsen (18.45 Uhr, DAZN) restlos verstummen zu lassen.

„Wir müssen immer noch Punkte holen und wollen das. Der Sieg gegen Leverkusen war wichtig, die Mannschaft hat es sehr gut gemacht. Es ist wichtig zu punkten, auch um den Rhythmus für das Dortmund-Spiel zu halten“, gab Nagelsmann die Marschrichtung für das Spiel gegen den tschechischen Meister vor. Krisen-Killer Königsklasse? Der Fußballlehrer gestand, dass sein Team in der Bundesliga noch etwas mehr unter Druck sei als in der Champions League: „Wir wollen grundsätzlich jedes Spiel gewinnen. Ich erwarte eine Top-Leistung, eine sehr motivierte Leistung, das fortzusetzen, was die Spieler gegen Leverkusen sehr gut gemacht haben, auch in der Konzentration vor dem gegnerischen Tor.

In Sachen Effizienz überlässt Nagelsmann nach dem zwischenzeitlichen Wiesn-Tief nichts dem Zufall, wie der an Corona erkrankte Thomas Müller (33, s. Text unten) in seinem neuesten Newsletter verrät. „Das Verwerten von Chancen ist hier ein Schwerpunkt gewesen, den wir aktuell genauer unter die Lupe nehmen“, schreibt Müller und gibt einen Einblick, wie das in der Praxis aussieht: „Hier wollen wir mit einer noch spezifischeren Arbeit im Training in Zukunft noch deutlich effizienter sein. So arbeitet dann das Trainerteam mit uns verstärkt heraus, mit welcher Art von Abschluss (Schuss aus welcher Position, Kopfball, etc.) wir am erfolgreichsten sind.“

Bei den internen Analysen gehe es laut Müller darum, die Sachlichkeit zu bewahren und sich nicht von den Emotionen überwältigen zu lassen, die diese Ergebnisse mit sich bringen. Gegen Leverkusen trug diese Detailarbeit erste Früchte und weil die momentane Titel-Konkurrenz aus Dortmund und Berlin patzte, beträgt der Abstand auf Spitzenreiter Union „nur“ noch zwei Zähler.

Vorstandschef Oliver Kahn (53) tritt trotzdem vorsorglich in bester Karl-Heinz-Rummenigge-Manier auf die Euphorie-Bremse: „Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wir sind alle gut beraten, das jetzt nicht zu hochzuhängen!“ Zumal Nagelsmann wegen verschiedener (Corona-)Ausfälle rotieren muss. „Wir werden aber nicht sieben Spieler wechseln. Es gibt mehrere Wege: Frühe Auswechslungen oder Startelfwechsel. Wie ich mich entscheide, seht ihr morgen“, sagte der Trainer am Montag.

Die wahrscheinlichste Variante: Ryan Gravenberch (20) und Leon Goretzka (27) werden gemeinsam die Mittelfeldzentrale bilden, weil Marcel Sabitzer eine Pause erhält. In der Offensive dürfte Serge Gnabry (27) für Müller in die Startelf rücken. „Ich halte sehr viel von Serge und habe die Erwartung, dass er nicht zu viel nachdenkt, sondern frei von der Seele spielt“, gab Nagelsmann vorab schon mal eine kleine Motivationsspritze für Gnabry ab.

Gegen Pilsen können die Bayern beweisen, dass sie auch mit Außenseitern noch kurzen Prozess machen können und sowohl die Pleite gegen Augsburg (0:1) als auch das Unentschieden gegen Stuttgart (2:2) und Union (1:1) nur Ausrutscher waren. Ansonsten heißt’s: After-Wiesn-Krisn!

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