Outing von Lucas Krzikalla

Selbstverständlich, trotzdem wichtig

von Redaktion

MATHIAS MÜLLER

In der Handballwelt wurde das Coming-out von Lucas Krzikalla so aufgenommen, wie es sein sollte – als Selbstverständlichkeit. Es sei ihm egal, „ob er einen Mann oder eine Frau liebt und so sollte es eigentlich auch sein“, sagte beispielsweise 2007er-Weltmeister und TV-Experte Pascal Hens. Und, er fände es schade, dass man „heutzutage noch so viel darüber berichten muss“.

Auf der einen Seite ist das richtig, denn natürlich sollte es überhaupt keine Rolle spielen, wen man liebt. Ebenso wenig wie die Hautfarbe oder die Religion. In großen Teilen der Welt und der deutschen Bevölkerung ist das auch schon angekommen, das zeigen mitunter die über 1000 durchweg positiven Kommentare auf der Insta-gram-Seite des 28-jährigen Leipzigers.

Auf der anderen Seite ist Krzikallas Gang an die Öffentlichkeit ein weiterer Schritt hin zu einer offeneren Gesellschaft. Denn bisher konnte sich, auch das gehört zur Wahrheit, kein aktiver Sportler der vier großen deutschen Ligen dazu durchringen. Und noch im Februar 2021 riet Philipp Lahm – Weltmeister, Fußballer des Jahres und Träger des Silbernes Lorbeerblatts – allen schwulen Fußballern davon ab, sich während ihrer Karriere zu outen. Aus Sorge vor der Reaktion der Zuschauer.

Lucas Krzikalla hat also nicht nur sein persönliches Versteckspiel beendet, sondern einen wichtigen Beitrag geliefert, der hoffentlich Nachahmer im Eishockey und im Basketball findet. Und irgendwann auch in der beliebtesten Sportart der Deutschen. Im Frauenfußball beispielsweise ist das Thema längst kein Thema mehr. Viele Nationalspielerinnen leben und zeigen sich offen mit ihren Partnerinnen.

Aber: Die Reaktionen darauf sind nicht immer nur unterstützend. Als die DFB-Kapitänin Svenja Huth im Juli ihre langjährige Lebensgefährtin heiratete und ein Bild davon in den sozialen Medien postete, hagelte es einige Kommentare unter der Gürtellinie. Diese verblendete Minderheit muss akzeptieren, dass jeder Mensch ein Recht auf (sexuelle) Selbstbestimmung hat. Ausgerechnet der Sport, dem oft eine verbindende Kraft nachgesagt wird, hinkt hier (noch) hinterher. In der Politik oder der Kultur ist man da zum Glück schon etwas weiter.

mathias.mueller@ovb.net

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