Der nächste Fan-Eklat

von Redaktion

Union-Anhänger sorgen in Malmö beinahe für Spielabbruch

Berlin/Malmö – Dirk Zingler war „stinksauer“, die Wut über die Fan-Krawalle stand dem Präsidenten von Union Berlin nach dem ersten Sieg in der Europa League ins Gesicht geschrieben. „Das ärgert mich total, weil wir das von uns nicht kennen und nicht machen. Und hier machen wir es plötzlich“, sagte Zingler über das Chaos beim 1:0 gegen den schwedischen Rekordmeister Malmö FF, dem eine empfindliche Strafe folgen dürfte.

Denn die gefährlichsten Gegner von Union trugen in Malmö keine hellblauen Trikots, sondern standen ganz in Weiß gekleidet im Gästeblock. Ausgerechnet der eigene Anhang drohte den ersten Sieg in der Europa-League-Geschichte zu verhindern, zum Spielabbruch fehlte nur ein einziger Feuerwerkskörper. Zum dritten Mal innerhalb eines Monats sorgten deutsche Chaoten international für Negativschlagzeilen.

Das sportliche Ausrufezeichen des Bundesliga-Spitzenreiters durch den hart erkämpften Sieg beim schwedischen Rekordmeister rückte so in den Hintergrund. Zwar nahmen die Ereignisse in Schweden nicht das Ausmaß von denen in Nizza und Marseille an, dennoch passen sie in das schwache Bild, das zuletzt schon Anhänger des 1. FC Köln und von Eintracht Frankfurt abgegeben hatten.

„Es ist nicht zu akzeptieren“, sagte Zingler. Mehrere Feuerwerkskörper aus dem Berliner Block hatten nach 57 Minuten eine fast halbstündige Unterbrechung verursacht. Direkt vor dem Gästebereich detonierte ein Böller, ein Spielabbruch stand kurz bevor.

Die Aufarbeitung hat längst begonnen. „Wir müssen die Schuldigen finden“, sagte Zingler: „Ich werde nicht alle 1200 im Block verurteilen.“ In der Tat belegten die TV-Bilder, dass viele Anhänger energisch auf die Chaoten einredeten. „Beide Lager haben Pyrotechnik aufs Feld geworfen“, hatte Union schnell getwittert. Tatsächlich führten Sicherheitskräfte auch einige Menschen aus weit vom Gästebereich entfernten Blöcken.

Erst nach eindringlichen Hinweisen via Stadionmikrofone in Schwedisch, Englisch und Deutsch pfiff Schiedsrichter Halil Umut Meler auf Bewährung wieder an. Als Sheraldo Becker die Führung gelang (68.), tauchte tatsächlich eine weitere Fackel im Gästeblock auf. Wild gestikulierend wandte sich der Torschütze an seine Fans – und der Unparteiische sah über den Vorfall hinweg.  sid

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