München – Die Bilanz des Wochenendes für den EHC München lautete: Das Team hat nun sechs Punkte mehr, doch sein Kapitän Patrick Hager (vorübergehend) einen Zahn weniger. Am Freitag im zweiten Drittel gegen die Bietigheim Steelers passierte es: Hager bekam einen gegnerischen Stock ins Gesicht und merkte gleich, dass da was aufs Eis purzelte. Pragmatisch griff er nach dem verlorenen Zahn, steckte ihn in den Handschuh und brachte ihn so in der folgenden Pause in die Kabine. „Das war eh schon ein falscher“, sagte er mit noch breiterem Grinsen als sonst. Der Schaden war überschaubar und reparabel. Kann im Eishockey, wo die Pucks fliegen und die Stöcke hoch gehen, immer wieder mal passieren, ist letztlich nicht kontrollierbar und Restrisiko.
Was die Beteiligten kontrollieren können, ist die Haltung, die sie zu einem Spiel einnehmen. Und obwohl es beim EHC München von den Ergebnissen läuft und die Mannschaft sich an der Spitze der Deutschen Eishockey Liga (DEL) festgesetzt hat, ist Trainer Don Jackson nicht rundum zufrieden. Selten hat man von ihm so viel Kritisches gehört wie nach dem 3:2 am Freitag gegen Schlusslicht Bietigheim. „Eine Art Krankheit“ machte er da gar aus in seinem Team: Es hielt die Scheiben zu lange, es wurde gezockt, anstatt die sich anbietenden Passoptionen anzunehmen: „Das ist das Gefährlichste, was man im Eishockey machen kann“, sagte der Amerikaner. „Wenn man zu viel mit dem Puck macht, ist das Mangel an Respekt für den Gegner.“ Und da kann Don Jackson, der Mann, der selten die Stimme erhebt, stinkig werden: „Wir hatten nach dem zweiten Drittel harte Diskussionen in der Kabine, sie hätten jedoch auch schon nach dem ersten stattfinden können.“ Er spürte, „dass meine Co-Trainer schon warteten, dass ich einige Spieler nicht mehr einsetze“ – doch vor dieser letzten Eskalationsstufe schreckte er zurück.
Doch kam die Botschaft an? „Ein gutes Team schlägt immer zurück“, meinte Chris DeSousa, der im Zentrum des folgenden Spiels stand. Drei Tore erzielte er am Sonntag beim 5:1 bei seinem Ex-Club Grizzlys Wolfsburg. „Da lief alles für uns“, bilanzierte Don Jackson mit Blick auf die besonderen Umstände, denen der Gegner ausgesetzt war: „Wolfsburg hatte einen sehr harten Spielplan.“ Grizzlys-Trainer Mike Stewart unterstrich dies: „Keine Mannschaft in Deutschland hat so oft gespielt wie wir, auch mehr auswärts aus zu Hause, wir sind viel gereist, und wenn man sich müde fühlt, denkt man langsamer.“ Jackson gab seinen Spielern darum nur eine Aufgabe mit: „Fokussiert bleiben.“ Die Krankheit des EHC kam somit nicht zum Ausbruch.
Und die Gefahr der Überheblichkeit dürfte auch heute nicht bestehen. In der Champions League muss der EHC heute (18 Uhr) bei Tappara Tampere in Finnland antreten. Favorit ist er nicht.