Ein Boykott im Sport, ist das sinnvoll? Der Blick in die Historie sagt deutlich: Nein! Denn weder der West-Verzicht der Spiele 1980 in Moskau noch die Revanche der Sowjetunion 1984 in Los Angeles brachte den gewünschten Erfolg. Ebenso wenig die noch früheren Streiks 1956 oder 1976. Die Boykotte hätten bestenfalls symbolischen Wert, sagen Kritiker.
Andererseits: man stelle sich – rein theoretisch – vor, ganz Europa hätte sich am 2. Dezember 2010 in Zürich nach der Wahl Katars als Austragungsort der Fußball WM 2022 für einen einheitlichen Boykott entschieden. Eine WM ohne Deutschland, Spanien, Italien, England, Frankreich… das wäre mehr als nur ein Symbol-Entscheidung gewesen.
Wie also ist in diesem Zusammenhang die Ankündigung von Maja Dahlqvist und Linn Svahn zu sehen? Die beiden schwedischen Langläuferinnen wollen – mit Blick auf den Krieg in der Ukraine – nicht bei der WM Ende Februar in Slowenien starten, sollten russischen und belarussischen Konkurrentinnen vom Weltverband FIS zugelassen werden. Ein nettes Signal, das schnell verpufft, könnte man urteilen. Und in der Tat würde während des Events niemand mehr von den beiden sprechen. Andererseits, wenn jeder immer nur den Kopf einzieht, kann man nichts verändern, auch das lehrt die Geschichte. So gesehen sollten Athleten, die mutig für ihre Überzeugung eintreten, Vorbild für alle sein.
Die Diskussion der Frage, ob Russen und Belarussen starten dürfen oder nicht, hat viele Dimensionen. Während die Nationalteams gesperrt sind, mischen beispielsweise Eishockeyspieler, Fußballer oder Handballer in ihren Vereinen kräftig mit. Sind Wintersportler also Individuen oder stehen sie für ihr Heimatland? Dürfen sie nur mitmachen, wenn sie sich von Putin distanzieren? Oder sollten ihnen vielleicht der Weltcup erlaubt sein, nicht aber die WM, weil sie nur dort als Nationalmannschaft antreten? Schwierig.
Letztlich muss sich der gesamte Sport überlegen, wie er mit dem Thema, das uns alle wohl leider noch lange beschäftigen wird, zukünftig umgeht. Und man kann dabei, so hart es für die einzelnen Sportler ist, zu dem Schluss kommen, dass alle russischen und belarussischen Athleten ausgeschlossen bleiben sollten, solange Russland Krieg in der Ukraine führt.
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