München – Julian Nagelsmann (35) begann mit der Fehler-Analyse nach dem 2:2 gegen Borussia Dortmund bereits auf dem Rückflug nach München. Und zwar an der Seite von Präsident Herbert Hainer (68), der im Flieger neben dem Cheftrainer des FC Bayern saß. „Ich kann nur sagen, er ist ein sehr reflektierter, sehr intelligenter Mann, der genau weiß, worauf es ankommt und was er zu tun hat“, sagte Hainer in der Sendung Blickpunkt Sport.
Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2021 hat Nagelsmann beim deutschen Rekordmeister so einiges zu tun. Der Fußballlehrer wurde nach seiner Verpflichtung als Eier legende Wollmilchsau des Trainergeschäfts präsentiert. Sein Aufgabenprofil hatte es von Anfang an in sich: Nagelsmann sollte nicht nur Titel garantieren, sondern auch Talente aus dem Nachwuchs an die Profi-Mannschaft heranführen und dadurch für weniger Ausgaben für Superstars auf dem Transfermarkt sorgen. Oder anders formuliert: eine Ära prägen. „Deswegen haben wir ihm ja auch einen Fünfjahresvertrag gegeben, um mit Julian Nagelsmann was aufzubauen bei Bayern“, bestätigte Hainer nun erneut.
Überfordern die Münchner Verantwortlichen Nagelsmann? Unsere Zeitung weiß: Nagelsmann hinterfragt sich permanent selbst, das gehört für ihn zum Trainerberuf. Aber er sieht durchaus Lösungswege aus der aktuellen Ergebniskrise.
Auch wenn diese Wege nicht immer einfach sind, denn einige Stars haben den Verein verlassen, seitdem Nagelsmann in München ist. Die Verträge von langjährigen Leistungsträgern wie David Alaba (30/Real Madrid), Niklas Süle (27/Borussia Dortmund) oder Robert Lewandowski (34/FC Barcelona), die den Verein in- und auswendig kannten, wurden nicht verlängert und durch namhafte Neuzugänge wie Dayot Upamecano (23), Matthijs de Ligt (23) oder Sadio Mané (30) ersetzt. Vor allem im vergangenen Transfersommer wurde der Kader von Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) massiv umgebaut. Problem: Superstar Mané taucht zu häufig ab, de Ligt ist wegen seins anfänglichen Fitnessrücktands verletzungsanfällig, ebenso wie Noussair Mazraoui (24), und die Talente Mathys Tel (17) und Ryan Gravenberch (20) brauchen noch Zeit.
Zeit, die Nagelsmann nicht hat, um aus seinen hoch veranlagten Individualisten eine Mannschaft mit Titel-Garantie zu bauen. Es ist vor allem die mangelnde Chancenverwertung, die ihm und seinem Trainerteam Kopfzerbrechen bereitet – obwohl der Fokus im Training bereits seit knapp zwei Wochen vollends auf einem effizienten Torabschluss liegt.
Und ausgerechnet jetzt entfacht die Stürmer-Diskussion neu. „Ich glaube, dass uns schon ein Neuner fehlt“, gab Ehrenpräsident Uli Hoeneß (70) im BR-Stammtisch zu bedenken. „Es ist natürlich eine wichtige, schwierige Entscheidung gewesen, den Robert abzugeben mit dem Risiko, dass man ganz bestimmte Tore nicht macht.“
Präsident Hainer gestand, dass das Thema in der Führungsetage präsent ist: „Ich glaube nicht, dass es primär eine Frage des Geldes ist, sondern es muss der richtige Spieler auf den Markt kommen. Der FC Bayern hat immer mit Mittelstürmer gespielt. Wenn es eine Gelegenheit für uns gibt, werden wir uns das sicher intensiver angucken.“ Die nächste Debatte rollt auf den Bayern-Trainer zu.