Regeländerung im Football

Endlich werden die Spieler geschützt

von Redaktion

VON BERND BRUDERMANNS

Das Umdenken erfolgte spät, aber es war längst überfällig. Zum ersten Mal hat die National Football League einen Spieler aufgrund ihres verschärften „concussion protocol“ quasi in Schutzsperre genommen. Teddy Bridgewater, Quarterback der Miami Dolphins, wurde gegen die NY Jets hart getroffen, musste taumelnd vom Spielfeld runter und darf jetzt erst wieder spielen, wenn er u. a. von einem unabhängigen Neurologen untersucht wird.

Auslöser dieser Regelverschärfung war die Verletzung von Tua Tagovailoa, Spielmacher Nummer eins der Dolphins und damit Bridgewaters „Vorgänger“. Der hatte nach einem harten Hit weitergespielt, war beim nächsten Spiel aufgelaufen und hatte beim Sturz auf den Hinterkopf eine Gehirnerschütterung erlitten.

Dass sich jetzt auch die NFL mit dem Thema Kopfverletzungen beschäftigt, ist insofern bemerkenswert, weil dort Spielern gerne ein heroisches Gladiatoren-Image angeheftet wird. „Play through pain“, also trotz Schmerzen weiterspielen, war und ist in der Kollisionssportart Football eher die Regel.

Bei Kopfverletzungen darf das allerdings keine Maxime sein. Spätestens seit den Erkenntnissen einer Studie der Boston University aus dem Jahr 2017 sind die Risiken bekannt. Bei 110 von 111 untersuchten Gehirnen von ehemaligen, mittlerweile verstorbenen NFL-Spielern wurde die Gehirnerkrankung „Chronisch Traumatische Enzephalopathie“ nachgewiesen.

Und was damit auf die Liga zukommen konnte, das ahnten die NFL-Bosse schon vier Jahre zuvor. 4500 ehemalige Spieler und deren Familien hatten die Liga verklagt, weil sie die Spieler nicht ausreichend gegen schwere Kopfverletzungen geschützt habe. Die NFL sicherte 2013 die Zahlung von 765 Millionen US-Dollar (damals 570 Millionen Euro) zu.

Auch im Fußball beklagen Experten, dass es einen zu sorglosen Umgang mit Kopfverletzungen gebe. Viel zu häufig, so der Vorwurf, dürften Spieler, die mit anderen zusammengerasselt waren, weiterspielen. Das International Football Association Board (IFAB), also das internationale Gremium, das für Regel-Änderungen im Fußball zuständig ist, will bis August 2023 Studien auswerten und entscheiden, wie bei Kopfverletzungen zu verfahren ist. Besserer Schutz der Spieler ist auch hier absolut überfällig.

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