München – Würde die bisherige Saison des FC Bayern „Bayern-like“ verlaufen, wäre das anstehende Champions-League-Spiel bei Außenseiter Viktoria Pilsen am Mittwoch (21 Uhr, DAZN) nicht mehr als eine lästige Pflichtaufgabe, bei der Trainer Julian Nagelsmann (35) das eine oder andere personelle Experiment wagen würde. Nagelsmann könnte die Bühne Königsklasse beispielsweise zur Talentshow nutzen und hochveranlagte Jungspunde wie Mathys Tel (17), Ryan Gravenberch (20) oder Paul Wanner (16) Spielpraxis auf höchstem Niveau sammeln lassen. „Vor der Saison sagte Julian Nagelsmann, dass er von Tel zehn Bundesliga-Tore erwartet in dieser Saison – ja, dann muss er ihn spielen lassen“, macht sich beispielsweise Lothar Matthäus (60) für den jungen Franzosen stark. Der Weltmeister von 1990 kritisiert die Einsatzbereitschaft einiger Bayern-Stars. „Vielleicht sind einige Spieler dieses Jahr auch nicht bereit, in der Liga alles zu geben, weil sie schon so oft Deutscher Meister geworden sind“, schrieb der deutsche Rekordnationalspieler in seiner Sky-Kolumne.
Viel-Spieler wie Sadio Mané (30) oder Leroy Sané (26) bräuchten vielleicht auch eine Verschnaufpause. Allerdings ist die Lage verzwickt, denn am Sonntag (19.30 Uhr, DAZN) steht in der Bundesliga das Spitzenspiel gegen den SC Freiburg an. Fakt ist: In Pilsen sollte ein souveräner Sieg eingefahren werden, um etwas Druck vor dem Spiel gegen die Breisgauer vom Kessel zu nehmen. „Jeder kann den Punkte-Schnitt in der Bundesliga ausrechnen. Und eine komfortable Ausgangslage in der Champions League hilft uns für die nötige Ruhe in der Liga“, sagte Nagelsmann.
Darum verzichtet er auf Startelf-Experimente in der Partie gegen den tschechischen Meister: „Wir müssen auch eine Aufstellung mit Blick auf Sonntag wählen. Zum Beispiel Thomas Müller, der nach der Corona-Erkrankung zurück ist – und auch Sonntag spielen soll.“ . Neben Jamal Musiala (19/Corona) und den Langzeitverletzten Bouna Sarr (30/Reha nach Patellasehnen-OP) sowie Lucas Hernández (26/Muskelbündelriss) konnten weitere Stars gestern den 300 Kilometer langen Champions-League-Bus-Trip nicht antreten. Innenverteidiger Matthijs de Ligt (23) plagen seit dem 2:2 am Samstagabend beim BVB muskuläre Probleme in der linken Hüfte, Alphonso Davies (21) schont sich nach einer Schädelprellung aus dem Spitzenspiel. Auch Angreifer Serge Gnabry (27) brachte aus Dortmund ein unliebsames Mitbringsel mit: Eine Kapselverletzung im Kniegelenk setzt ihn außer Gefecht.
Seit Dienstag ist auch klar, dass Kapitän Manuel Neuer (36) gegen Viktoria Pilsen ausfällt. Der Torhüter fehlte im Abschlusstraining. Ihn plagt seit Tagen eine Schultereckgelenk-Prellung. Schon vor dem BVB-Spiel trainierte Neuer nur eingeschränkt, im Bundesliga-Kracher stand er aber im Tor. Nun pausiert er. „Manu hätte jetzt auch in einem K.o.-Spiel nicht gespielt, weil er zu große Schmerzen im Schulterbereich hat. Es ist schon etwas, was ihn einschränkt“, so Trainer Julian Nagelsmann (35) am Dienstagabend in Pilsen.
Für Neuer rückt Sven Ulreich (34) in die Startelf. Sein zweiter Saison-Einsatz nach dem Auftritt in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Viktoria Köln (5:0).
Auf der Bank in Pilsen sitzen die Nachwuchs-Keeper Johannes Schenk (19) und Jakob Mayer (20). Im vierten Gruppenspiel der Champions League ist Trainer Julian Nagelsmann (35) also zu Umstellungen gezwungen. Gute Nachrichten gibt es indes von Innenverteidiger Hernández. „Die Genesung schreitet perfekt voran“, schrieb seine Berateragentur nun auf Instagram. „Er wird am Montag das Laufen wieder aufnehmen und wird noch vor Ende des Monats zurückkehren.“