Geschlagen, aber nicht entmutigt

von Redaktion

Eintracht Frankfurt bekommt gegen Spurs lange Zeit die Grenzen aufgezeigt – und darf dennoch weiter aufs Achtelfinale hoffen

London – Die Königsklassen-Lehrstunde der gnadenlosen Poweroffensive um Heung-Min Son war kaum verdaut, da schöpften die geschlagenen Stars von Eintracht Frankfurt schon wieder neuen Mut. Es sei „noch alles möglich“, betonte WM-Held Mario Götze trotzig – und erhielt Unterstützung von Kapitän Sebastian Rode: „Wir haben es selbst in der Hand, wenn wir die nächsten zwei Spiele gewinnen.“

Trotz des 2:3 (1:3) beim englischen Topteam Tottenham Hotspur, trotz der zeitweise völligen Überforderung in der Defensive schob Oliver Glasner den Frust schnell beiseite. „Dieser Charakter, diese Persönlichkeit, das ist Eintracht-Frankfurt-Identität“, sagte der Coach der Hessen mit Blick auf die späte positive Reaktion in Unterzahl: „Wenn die Jungs so auftreten, stimmt mich das sehr zuversichtlich für die Zukunft.“

Vor allem mit Blick auf die Endspiele ums Achtelfinale gegen Olympique Marseille (26. Oktober) und Sporting Lissabon (1. November). In der hart umkämpften Gruppe D stürzte Frankfurt zwar auf den letzten Platz, hält aber dennoch alle Trümpfe in der Hand. Es sei „positiv, dass wir es selbst noch entscheiden können“, sagte Torhüter Kevin Trapp – doch nun muss der Europa-League-Sieger zwingend liefern.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Hessen bekamen im hochmodernen Fußballtempel der Spurs lange Zeit die Grenzen aufgezeigt. Allein Trapp war es zu verdanken, dass der Champions-League-Abend nicht im Debakel endete. Vor allem der frühere Bundesliga-Star Son habe der SGE „den Rest gegeben“, sagte Rode.

Der furiose Son als Doppelpacker und Topstar Harry Kane spielten die Eintracht-Abwehr phasenweise schwindelig. Dass Frankfurt in der wilden Schlussphase nach Gelb-Rot gegen Tuta sogar noch den Ausgleich hätte erzielen können, war umso erstaunlicher.

Man müsse sich gegen die Torschützen Son und Kane auf „Weltklasse-Niveau“ bewegen. „Das waren wir in der einen oder anderen Situation nicht“, gab Glasner zwar zu, betonte aber auch: „Meine Mannschaft hat mich sehr beeindruckt. Was die Jungs nach dem Ausschluss und 1:3-Rückstand geleistet haben, war unglaublich.“

Neben der mutigen Anfangsphase mit der Führung von Daichi Kamada entpuppte sich der eingewechselte Faride Alidou als Lichtblick. In seinem ersten Champions-League-Spiel erzielte der 21-Jährige den Anschluss, sorgte für Schwung – und hatte nach Kanes verschossenem Elfmeter in der Nachspielzeit noch das 3:3 auf dem Fuß.

Die Reaktion schenkt Zuversicht, doch schon gegen Marseille wartet nicht nur eine sportliche Herausforderung. Die Defensive bereitet Sorgen, zumal Tuta gesperrt fehlen wird und Routinier Makoto Hasebe in London verletzt vom Feld musste. „Es scheint so, als müssten wir die nächsten Spiele noch ein bisschen improvisieren“, sagte Glasner. Dies sei „nicht die angenehmste Situation“.  sid

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