Nur selbst gemachter Druck ist guter Druck

von Redaktion

Köllner reagiert gereizt auf das Krisengerede und erwartet in Osnabrück eine Reaktion

VON ULI KELLNER

München – Es war nicht die allergrößte Alarmglocke, die der Präsident schrillen ließ, doch mit wenigen Worten hatte es Robert Reisinger geschafft, erstaunlich deutlich zu werden. Sein Kommentar nach der 1:2-Heimpleite gegen Ingolstadt, dem dritten sieglosen Pflichtspiel hintereinander: „Wenn wir wieder alle den Fokus auf unsere Aufgaben legen, werden wir das gesteckte Ziel auch erreichen.“ Bemerkenswert in diesem Zusammenhang war das Wörtchen „wieder“, da es impliziert: Nicht jeder ist zuletzt womöglich voll fokussiert gewesen. Verzinkt auch der zweite Teil in Reisingers positiv formuliertem Konditionalsatz. Das Nichterfüllen der Bedingung vorausgesetzt, würde nämlich im Umkehrschluss bedeuten: Das Ziel, der Aufstieg in die 2. Liga, wird verpasst, wenn bei 1860 sportlich so weitergemacht wird wie zuletzt.

Bei Michael Köllner scheint die Botschaft angekommen zu sein. Im Training am Dienstag zog er die Zügel spürbar an, ordnete Steigerungsläufe bis zum Umfallen an. Er wirkte angefressen – und ließ es seine Spieler spüren. Ein ähnliches Bild bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Osnabrück (Samstag, 14 Uhr). Der Löwen-Coach wirkte nachdenklich, in sich gekehrt, fast ein bisschen angespannt. Als es noch lief und Köllner in Plauderstimmung kam, ging so ein Termin auch mal über eine Dreiviertelstunde. Gestern schaute Pressesprecher Rainer Kmeth nach der letzten Antwort auf seine Uhr und sagte: „17 Minuten – ich glaube, das geht in die Rekordbücher ein.“

Fokus auf den Sport also – so lässt sich Köllners Aufritt betiteln. Das „Sch . . . gefühl“ der ersten Heimniederlage habe Trainer und Team die Woche über angetrieben, erklärte er: „Wichtig war, dass wir einfach wieder gut arbeiten.“ Auch er benutzte das Wörtchen „wieder“, vermutlich aber unbewusst. Köllners Erwartung für das Spiel in Osnabrück ist, dass seine Mannschaft ihr Schicksal in die Hand nimmt, aktiv ist, selbstbewusst wie ein Spitzenteam. „Wir wollen dort wieder punkten“, sagte er: „Es geht darum, in den ersten Duellen gleich ein Zeichen zu setzen. Am Ende wird entscheidend sein, wie wir am Samstag auf den Platz kommen.“

So weit, so fokussiert. Gereizt reagierte der Coach nur, als er mit einer Aussage aus Reisingers Sommerinterview konfrontiert wurde, wonach „der Herr Köllner“ bis zur WM-Pause doch bitte „in 14 von 17 Spielen punkten“ möge; sprich: maximal dreimal verlieren. Zwei Niederlagen hat Köllner jetzt – und natürlich keine Lust, dass eine dritte dazukommt. Noch weniger Lust hat er aber darauf, an diese Art Ultimatum erinnert zu werden. „Ich bin ein faktenorientierter Mensch“, sagte er, „und die Fakten sind, dass wir nach Spieltag elf auf Platz zwei stehen.“ Druck, egal von welcher Seite, verspüre er keinen. „Wir machen uns unseren eigenen Druck“, beschied er: „Wir wollen am Saisonende ganz vorne sein, das treibt uns an.“ Und überhaupt: „Ich glaube, wir haben in dieser Saison bisher nicht so viel verkehrt gemacht, wie uns das manche unterstellen wollen. Wäre jetzt Schluss, würde keiner meckern, glaube ich.“

Damit war das Thema für ihn erledigt. Es irritiert Köllner, dass Kritik an seinem Wirken laut wird, ob intern geäußert, von Medien oder wem auch immer. „Manchmal komme ich mir vor, als wären wir Zwölfter oder Dreizehnter und nicht Osnabrück“, sagte er: „Wir haben zehn Punkte mehr, also fast einen Punkt mehr geholt pro Spieltag als die. In erster Linie geht es darum, dass wir am Samstag unsere eigenen Stärken einbringen müssen.“

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