München – Am Ende lud der Kapitän die Verantwortung auf seine Schultern. „Wir hatten den letzten Wurf zum Ausgleich“, sagte Vladimir Lucic, „leider habe ich ihn vergeben.“ Und statt ein wankendes Virtus Bologna in die Verlängerung zu zwingen, stand er mit seinen Bayern-Basketballern mit einer 63:66-Niederlage da. Der nächste Euro-Fehlstart droht. Und es geht heftig weiter – am Sonntag (18 Uhr) wartet der Pokalfight in Bamberg.
Doch glaubt man Thorsten Havener, ist zu viel Sorge nicht angebracht. Vor allem bei Spielertypen wie Lucic oder Center-Routinier Othello Hunter nicht. Havener ist Spezialist für Körpersprache und die Macht des Mentalen. „Solche Sportler hängen auch mal durch“, sagte er, „aber sie finden immer wieder zum Erfolg zurück.“ Weil Spielertypen wie sie neben unbestreitbarem Talent auch die Überzeugung von der eigenen Stärke in sich tragen.
Als die Bayern im Spätwinter coronageschwächt durch die Euroleague holperten, erzählte Hunter immer noch vom Playoff- oder gar Final-4-Team und dass er das Bayern-Ensemble führen wolle. Letztlich holten die Münchner die nötigen Siege und trieben im Viertelfinale sogar Hauptrunden-Champion Barcelona bis in Spiel fünf. Wahrscheinlich kein Wunder, dass Trainer Andrea Trinchieri in Bologna von Beginn an vor allem auf Spieler wie Lucic und Hunter baute.
Es ist viel von dem, was die Kollegen Fußballer mit dem Slogan „Mia san mia“ überschreiben. Der unverbrüchliche Glaube an die eigene Stärke. Laut Havener kann man den Sportlern diesen sogar ansehen. Basis ist die Kraft der Gedanken, das Gar-nicht-erst-Zulassen von Zweifeln. Genau die allerdings können gewiefte Sportler auch säen. Der US-Amerikaner Brad Gilbert tourte in den 80er/90er Jahren durch die Tenniswelt und feierte trotz überschaubaren Talents reichlich große Siege. Auch dank seiner mentalen Kriegsführung, die er in seinem Buch mit dem vielsagenden Titel „Winning ugly“ beschrieb. Oder noch prominenter der berühmte Zettel, den Jens Lehmann bei der Fußball-WM 2006 im Elfmeterschießen gegen Argentinien vor jedem Schützen zu Rate zog. „Der Zettel war eine gigantische Waffe“, sagte Havener, „weil er die Köpfe erreicht hat. Und dann hast du eigentlich schon verloren.“
Ihren eigenen Zettel werden die Bayern-Basketballer noch nicht brauchen. Die Saison ist noch jung, die Erklärungen für den holprigen Start noch zu offensichtlich. Die lange EM, bei der vier Bayern im Einsatz waren, die Verletzungen von geplanten Leistungsträgern wie Elias Harris und vor allem Isaac Bonga – vorhersehbar, dass sich die Münchner in der Saison entwickeln müssen. Und dass sie es auch tun, daran hat auch der Kapitän keinen Zweifel. „Wir müssen jetzt nur dem Prozess vertrauen und uns weiter verbessern“, sagte Lucic. Na dann. rp