München – Nein, so ganz haben die Biathleten den Philosophiewechsel dann ja doch noch nicht durchgezogen. Mit Mark Kirchner ist der Chefcoach ja auch nach der Verpflichtung von Uros Velepec und Sverre Olsbu Röjseland ein Deutscher. In anderen Abteilungen ist man da beim Deutschen Skiverband schon weiter.
Bei den Alpinen geben in Andreas Puelacher und Christian Schwaiger zwei Österreicher den Ton an, bei den Skispringern in Stefan Horngacher ebenso. Und sogar Kombinierer-Medaillenschmied Hermann Weinbuch setzt seit gut einem Jahr auf Expertise in Rot-Weiß-Rot – Heinz Kuttin gibt auf der Schanze den Ton an.
Die Motive für die Personalentscheidungen sind bekannt. Alpine und vor allem Skispringer blickten in sportlicher Not über die Grenze. Beide fanden ihr Glück, wie so viele Verbände der Szene in Österreich. Vor allem bei den Springern ging der Schachzug auf. Der Tiroler Werner Schuster kam, blieb mehr als ein Jahrzehnt und machte aus einer Baustelle wieder ein Erfolgsmodell. Als er 2019 abtrat, war es nur folgerichtig, dass der langjährige Assistent Horngacher übernahm.
Doch der Trend, die höchsten Trainerämter international zu besetzen, ist längst keine Domäne des Wintersports. Auch in den Teamsportarten im Schatten des Fußballs gehören internationale Bundestrainer längst zum guten Ton. Der Kanadier Gordon Herbert führte kürzlich die Basketballer zum historischen EM-Bronze. Im Eishockey setzt man mit nicht viel weniger Erfolg auf das Wissen des Finnen Toni Söderholm. Und sogar im Handball, dem sicherlich deutschesten Teamsport, ist der Chef ein Isländer. Auch wenn Alfred Gislason nicht unbedingt in sportlicher Not übernahm. Der Star-Trainer, der seit langem in Deutschland lebt, war schlicht verfügbar.
Anders sah es schon in der Frauen-Abteilung der Ballwerfer aus, als man 2018 den Niederländer Henk Groener an Bord holte. Dem Top-Mann aus dem Nachbarland traute man eher zu, den DHB-Frauen zum letzten Schritt in Richtung Weltspitze zu verhelfen. Ging nur ansatzweise auf. Sei diesem Sommer vertraut man auf den Göppinger Markus Gaugisch.
Und dann ist da noch der Deutsche Volleyball Verband (DVV), der beim Versuch, der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu entkommen, immer wieder auf internationale Übungsleiter setzt. Aktuell sind das der Belgier Vital Heynen (Frauen) wie auch der Pole Michal Winiarski, deren WM-Premieren zuletzt aber eher misslangen. Bis 2024 soll es besser laufen – denn dann stehen in Paris die Olympische Spiele an. rp