München – Die wirklich wichtigen Dinge hat sich Uros Velepec im neuen Umfeld schon angeeignet. In „Ruaboiding“ sei er nun zu Hause, erklärte der 55-Jährige – ganz klar: in Ruhpolding. Der Rest wird kommen, Schritt für Schritt. Der Slowene hat ja eine größere Mission. Gemeinsam mit dem Norweger Sverre Olsbu Röjseland soll er dazu beitragen, die deutschen Biathleten bis zu den Olympischen Spielen 2026 zu alten Erfolgen zurückzuführen.
Internationale Expertise in der Vorzeigeabteilung des Deutschen Skiverbandes (DSV) – das ist immer noch ein ungewohntes Bild. Doch nach der Entwicklung der vergangenen Winter war man beim DSV zu der Überzeugung gekommen, dass es frischer Ideen und neuer Impulse „für das ganze System“ bedurfte, wie Sportchef Felix Bitterling erklärte.
Velepec, der neben seiner Heimat unter anderem in der Ukraine mit einigem Erfolg arbeitete, nimmt sich seit dem Frühjahr der Männerabteilung an und soll zudem Chefcoach Mark Kirchner zur Seite stehen. Der Norweger indes nimmt sich mit dem im Amt verbliebenen Kristian Mehringer der Frauen-Abteilung an. Wobei der DSV vor allem Letzteres als Coup feiern darf. Nicht genug damit, dass man eines der größten Trainertalente aus der Top-Nation Norwegen abwerben konnte – zuletzt war Olsbu Röjseland verantwortlicher B-Kader-Coach seiner Heimat. Und ganz nebenbei machte der 31-Jährige seine Frau Marte Olsbu Röjseland zur weltbesten Skijägerin. Die elfmalige Weltmeisterin zog übrigens mit ihrem Ehemann nach Ruhpolding um.
Ein Schritt, über den Familie Olsbu Röjseland – ähnlich wie Uros Velepec – übrigens nicht lange nachdenken musste. „Wenn ein Verband wie der deutsche anruft“, sagte Sverre Olsbu Röjseland, „dann sagst du nicht nein.“ Wobei es die interessante Frage sein wird, in wie weit der Norweger die Ideen aus seiner Heimat auch bei den Deutschen verankern können wird.
Einen wesentlichen Unterschied hat er nach den ersten Monaten im Amt schon ausgemacht. „In Norwegen arbeiten die meisten Athleten schon frühzeitig sehr individuell“, sagte er. Das Ergebnis sind Athleten wie die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Bö oder Altmeister Ole Einar Björndalen, die selbst großes Gespür für Veränderungen entwickelt haben. In Deutschland dagegen seien es die meisten Athleten gewöhnt, dass „ein Trainer sie an die Hand nimmt“.
Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn auch eher in der Männerabteilung. Routinier Benedikt Doll etwa, der weitgehend am Stützpunkt im Schwarzwald trainiert, gehört zur kleinen Kategorie der Athleten, die selbst viel an Mensch und Material tüfteln.
Das soll noch mehr Schule machen, wenn es nach Sverre Olsbu Röjseland geht. Schon in diesem Sommer, so berichtet er, habe er immer wieder Fragen gestellt, auch wenn er wusste, dass seine Schützlinge die Antwort kannten. „Weil ich will, dass sie verstehen und sich selbst Gedanken machen, warum sie etwas trainieren.“
Das klingt nach einem langen Prozess, aber gerade Olsbu Röjseland hat seine Ziele ja auch eher langfristig gesteckt. „Für mich steht nicht die kommende Saison im Mittelpunkt, auch nicht die Heim-WM“, sagte er, „ich will dazu beitragen, dass Deutschland wieder die beste Mannschaft der Welt hat. Bis 2026, bis zu den Olympischen Spielen in Mailand.“
Immerhin: Bei den Athleten haben beide Trainer-Neuzugänge schon jetzt den Nerv getroffen. Vor allem die Ruhe, mit der Uros Velepec wie auch Sverre Olsbu Röjseland den Sportlern zur Seite stehen, kommt bestens an. So wie bei Franziska Preuß: „Ich bin absolut begeistert.“ Der Rest wird sich im nahenden Winter zeigen.