Der nächste Junglöwe startet durch

von Redaktion

Marius Wörl erntet viel Lob für sein Startelfdebüt – Parallelen zur Entwicklung von Morgalla

VON ULI KELLNER

München – Marius wer? Selbst erfahrene Osnabrücker Sportreporter wie Harald Pistorius (Jahrgang 1956) blickten rätselnd auf den am Samstag vor dem Anpfiff ausgegebenen Aufstellungsbogen. Die Nummer 38 der Löwen hatte keiner auf dem Zettel; sie kam in keinem der Vorberichte vor, auch im kicker-Sonderheft sucht man sie vergeblich – nicht mal im Profikader auf tsv1860.de taucht sie auf. Im Kader der U 19 schon. Nur das Nötigste ist dort angegeben. Alter: 18. Position: Mittelfeld. Auch die Körperdaten (1,78 m, 69 kg) werden aufgeführt – und sein Vorgängerverein, bei dem sich zumindest der tiefblaue Fan fragt, ob das eine nötige Angabe ist: FC Bayern.

Inzwischen fast verjährt, denn dieser Marius Wörl ist nun schon seit vier Jahren ein Löwe; das Rüstzeug zum Drittligaspieler wurde ihm also an der Grünwalder Straße mitgegeben. Und trotzdem: Dass Michael Köllner sich traute, den Youngster in einem wichtigen Spiel aufs Feld zu schicken, hat alle erstaunt. Es spricht einerseits für den Mut des Trainers, aber viel mehr noch für das Vertrauen, das man bei 1860 in die Fähigkeiten dieses Leichtgewichts hat. Im BR zeigte sich Mitspieler Marcel Bär keineswegs erstaunt. „Der Junge macht sich einfach keine Platte“, schwärmte der verletzt gewesene Torjäger: „Er ist ein sehr intelligenter Spieler, der sich sehr gut in Räume bewegen kann. Er muss jetzt dranbleiben, dann kann aus ihm ein richtig guter Spieler werden.“ Ein Lob zum Einrahmen.

Parallelen zu Leandro Morgalla drängen sich auf. Auch dessen Entwicklung vom Jugend- zum Drittligaspieler vollzog sich im Zeitraffer. Stammkraft im Totopokal, in Köln Ende Januar ein erster Kurzeinsatz, Startelfdebüt sieben Wochen später in Mannheim. Ähnlich lief es bei Wörl: Profi-Feuertaufe im Totopokal, erste Einwechslung in der 3. Liga gegen Aue – und nun das Startelfdebüt, bei dem der Novize kein bisschen Nervosität erkennen ließ. „Bremer Brücke, erstes Spiel von Anfang an – das ist sicher nicht die einfachste Aufgabe“, sagte Yannick Deichmann zum Auftritt seines jungen Kollegen im uraufgeführten 4-3-3-System: „Er hat sich das in den letzten Wochen erarbeitet. Der Trainer hat ihm sehr viel Selbstvertrauen gegeben – und wir ihm auf dem Platz. Marius hat das wirklich gut gemacht, unaufgeregt, sich voll auf seine Aufgabe fokussiert.“

Qualitäten, die Wörl schon als Kind auf den Sportplätzen der Holledau andeutete. Die ihn für den FC Bayern interessant machten. Und die nun bei 1860 zur Entfaltung kommen. Im NLZ der Löwen ist man jedenfalls hochzufrieden mit der Entwicklung des Mittelfeldtalents. Von einem „sehr guten Gesamtpaket“ ist die Rede. Wörl gilt als gleichermaßen selbstbewusst wie selbstkritisch. Als geeignet für nahezu alle Positionen im Zentrum. Es ist sicher nicht von Nachteil für ihn, dass er nebenbei ein freiwilliges Jahr im NLZ ableistet. So hat er Zeit für das Training der Profis. Seit Sommer ist er fest oben dabei – obwohl er auch bei der in die Bundesliga aufgestiegenen U 19 als „Schlüsselspieler“ gilt.

Selbst Günther Gorenzel, sonst betont vorsichtig in der öffentlichen Bewertung von Talenten, lehnt sich relativ weit aus dem Fenster. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte der Sportgeschäftsführer über Wörls Auftritt beim 2:0 in Osnabrück: „Marius hat seine Chance absolut genutzt. Das war sehr, sehr ordentlich, wie er sich in einem hitzigen Auswärtsspiel präsentiert hat – und wie er seine Aufgaben im System positionstaktisch gelöst hat.“

Gorenzel wünscht sich nun, dass beide Supertalente – „Leo und Marius“ – Schritt für Schritt weiter an ihrer Entwicklung arbeiten. Und vor allem: „Dass sie mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben.“ Morgalla hat gezeigt, was möglich ist, Lorenz Knöferl ist ein warnendes Gegenbeispiel. Gegen Wiesbaden, den Gegner am Samstag, hatte Knöferl, damals 17, eine kleine Sternstunde. Stand heute war der Last-Minute-Ausgleich sechs Tage vor Weihnachten 2020 bereits sein Karriere-Höhepunkt.

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